„299 Euro? Das klingt nach Vibe-Coding-Müll." „Bei dem Preis darf die Erstellung maximal 30 Minuten dauern." „Wer billig kauft, kauft zweimal." Solche Reaktionen liest man oft, wenn es um günstige Website-Angebote geht. Und sie sind nicht unberechtigt. Aber sie erzählen nur die halbe Geschichte.

Was sich verändert hat

Vor drei Jahren hat eine einfache Unternehmenswebsite mit vier bis sechs Seiten realistisch 1.500 bis 3.000 Euro gekostet. Beim Freelancer. Bei einer Agentur deutlich mehr. Das war fair, weil die Arbeit real war: Layout entwerfen, Code schreiben, responsive testen, Texte einpflegen, DSGVO-Konformität sicherstellen. Das hat Tage gedauert. Manchmal Wochen.

Heute tippt ein Entwickler einen Prompt und hat in 20 Minuten eine funktionierende Seite. Nicht perfekt, aber eine Grundlage, die früher einen halben Tag gekostet hätte. KI beschleunigt die technische Umsetzung enorm. Das ist kein Geheimnis. Die meisten Profis nutzen sie längst.

Die Frage ist: Was passiert mit den Preisen, wenn die Produktionszeit sinkt?

Das Agentur-Problem

Hier wird es interessant. Viele Agenturen nutzen KI. Für Code, für Texte, für Entwürfe. Das ist völlig in Ordnung. Was nicht in Ordnung ist: Die Preise bleiben gleich. Oder steigen sogar.

Eine Agentur, die früher zwei Wochen für eine Unternehmenswebsite gebraucht hat, braucht jetzt vielleicht drei Tage. Der Aufwand ist gesunken. Die Rechnung nicht. Der Kunde zahlt weiterhin für die alte Zeitkalkulation, obwohl die Realität längst eine andere ist.

Das ist nicht unseriös. Agenturen haben Overhead: Projektmanager, Designer, Entwickler, Büro, Buchhaltung. Das kostet. Aber es sollte erlaubt sein, die Frage zu stellen, ob 5.000 Euro für eine Firmenwebsite noch angemessen sind, wenn ein großer Teil der Arbeit mittlerweile maschinell passiert.

Das Billig-Problem

Auf der anderen Seite gibt es die Websites für 50 Euro. Jemand tippt drei Prompts in ChatGPT, kopiert das Ergebnis auf einen Server und nennt es Dienstleistung. Das ist Vibe-Coding. Das Ergebnis sieht aus wie jede andere KI-generierte Website: generisches Layout, externe Abhängigkeiten, kein Impressum, keine DSGVO-Konformität, kein SEO.

Das ist billig. Und billig ist ein Problem. Nicht wegen des Preises, sondern wegen der fehlenden Qualität. Eine Website ohne Datenschutzerklärung kann dich eine Abmahnung kosten. Eine Website, die bei Google nicht gefunden wird, bringt keine Kunden. Eine Website, die auf dem Handy nicht funktioniert, verliert 60 % der Besucher.

„Billig" heißt in diesem Kontext: Es fehlt das Wissen, das den Unterschied macht. Die KI liefert Code. Aber niemand prüft, ob der Code gut ist.

Was ein günstiger Preis leisten kann

Eine Website für 299 oder 499 Euro muss kein Vibe-Coding sein. Wenn ein Freelancer KI sinnvoll einsetzt, die Zeitersparnis weitergibt und Erfahrung in Design, Datenschutz und SEO mitbringt, kann das Ergebnis sauber sein. Entscheidend ist nicht der Preis, sondern was drin steckt:

KI spart Zeit. Die Frage ist, wer davon profitiert. Wenn ein Anbieter die Zeitersparnis an den Kunden weitergibt, sinkt der Preis, ohne dass die Qualität leidet. Das ist nicht billig. Das ist eine logische Konsequenz aus besseren Werkzeugen.

Wofür du eigentlich zahlst

Was eine Website kostet, hängt nicht mehr primär von der Produktionszeit ab. Es hängt davon ab, was jemand mitbringt:

Dieses Wissen hat sich durch KI nicht verändert. Es ist sogar wichtiger geworden, weil KI ohne Anleitung Fehler produziert, die ein Laie nicht erkennt.

Der Preis einer Website sollte nicht davon abhängen, wie lange jemand dafür braucht. Er sollte davon abhängen, was du am Ende bekommst.

Drei Kategorien, grob sortiert

KI-generiert ohne Fachwissen (0 bis 100 Euro)

Drei Prompts, Copy-Paste, fertig. Funktioniert technisch, scheitert an allem anderen. Kein Datenschutz, kein SEO, kein professionelles Design. Für ein Hobbyprojekt reicht das. Für ein Unternehmen nicht.

KI-unterstützt mit Fachwissen (299 bis 1.500 Euro)

Ein Profi nutzt KI als Werkzeug, bringt aber Erfahrung in Design, Datenschutz, SEO und Performance mit. Die Zeitersparnis durch KI wird an den Kunden weitergegeben. Das Ergebnis ist professionell, der Preis fair.

Agentur mit KI und alten Preisen (3.000 bis 15.000 Euro)

Projektmanagement, mehrere Ansprechpartner, Abstimmungsrunden. Für komplexe Projekte mit vielen Beteiligten kann das sinnvoll sein. Für eine Handwerker-Website mit fünf Seiten ist es in den meisten Fällen zu viel. Nicht weil die Qualität schlecht wäre, sondern weil der Overhead den Preis treibt, nicht die Arbeit am Produkt.

Was du als Kunde wissen solltest

Frag nicht nur „Was kostet das?". Frag:

Ein Anbieter, der diese Fragen klar beantworten kann, ist sein Geld wert. Egal ob er 299 oder 3.000 Euro verlangt. Ein Anbieter, der das nicht kann, ist es nicht. Egal wie hoch oder niedrig der Preis ist.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine Website für 299 Euro seriös?

Das hängt davon ab, was enthalten ist. Wenn jemand KI effizient einsetzt, Erfahrung in Webdesign und Datenschutz mitbringt und die Zeitersparnis an den Kunden weitergibt, ist der Preis fair. Wenn jemand drei Prompts in ChatGPT tippt und das Ergebnis ohne Prüfung ausliefert, ist es das nicht.

Warum nehmen Agenturen so viel mehr?

Agenturen haben höhere Fixkosten: mehrere Mitarbeiter, Büro, Projektmanagement. Das rechtfertigt höhere Preise, bedeutet aber nicht automatisch bessere Ergebnisse. Für einfache Unternehmenswebsites ist eine Agentur oft überdimensioniert.

Nutzen professionelle Webdesigner KI?

Die meisten ja. KI ist ein Werkzeug wie Photoshop oder ein Code-Editor. Entscheidend ist nicht, ob KI genutzt wird, sondern ob das Ergebnis professionell ist: DSGVO-konform, schnell, gut gestaltet, suchmaschinenoptimiert.

Kann ich meine Website einfach selbst mit KI erstellen?

Technisch ja. Ob das Ergebnis professionell genug für den Kundenkontakt ist, hängt von deinem Wissen in Webdesign, Datenschutz und SEO ab. Was dabei schiefgehen kann, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben. Auch die Frage, ob du selbst baust oder bauen lässt, spielt hier rein.

Worauf sollte ich bei der Anbieterauswahl achten?

Frag nach konkreten Referenzen. Frag nach DSGVO-Konformität. Frag, ob externe Dienste eingebunden werden. Schau dir die Ladezeit der Referenzseiten an. Ein guter Anbieter kann dir auf jede dieser Fragen eine klare Antwort geben.