Die Website ist online. Der Freelancer schickt die letzte Rechnung. Und dann? Viele Selbständige und Kleinunternehmer behandeln ihre Website danach wie einen geparkten Wagen: Sie steht da, sie funktioniert irgendwie, und solange nichts sichtbar kaputt ist, rührt man sie nicht an. Das ist ein Fehler — aber ein verständlicher, weil kaum jemand erklärt, was Wartung wirklich bedeutet und was sie kostet.
Warum Websites Wartung brauchen
Das Web ist kein statisches Medium. Browser-Updates, Sicherheitslücken, neue Datenschutzanforderungen, geänderte Google-Rankingfaktoren, ablaufende Zertifikate — das alles geschieht auch dann, wenn du nichts tust. Eine Website, die heute gut funktioniert, kann morgen ein Problem haben, das du nicht siehst, bis es ein Besucher meldet oder Google dich abstraft.
Dazu kommt: Inhalte veralten. Öffnungszeiten ändern sich, Preise steigen, Mitarbeiter gehen, neue Leistungen kommen hinzu. Wer das nicht pflegt, sendet falsche Signale — an Besucher und an Suchmaschinen.
Was regelmäßig zu erledigen ist — und wie oft
Jeden Monat
Wer eine WordPress-Website hat, muss regelmäßig Updates einspielen: WordPress-Core, Themes, Plugins. Das klingt harmlos, ist aber der häufigste Angriffsvektor für gehackte Websites. Veraltete Plugins mit bekannten Sicherheitslücken sind ein Einfallstor. Kein Wartungsaufwand schützt so direkt wie konsequente Updates.
Für Websites ohne CMS (wie meine Projekte in reinem PHP) ist das einfacher: Es gibt keine Plugin-Updates. Hier liegt die Verantwortung beim Hoster für Server-Software und bei dir für den Inhalt.
Alle drei bis sechs Monate
- Formular-Test: Schick dir selbst eine Testnachricht über dein Kontaktformular. Kommt sie an? Landet sie im Spam-Ordner? Viele Formulare hören still auf zu funktionieren, zum Beispiel wenn der Hoster etwas an der Mail-Konfiguration ändert
- Links prüfen: Interne und externe Links können kaputtgehen. Gelöschte Seiten, umgezogene Ressourcen, nicht mehr existierende Partnerseiten. Broken Links schaden SEO und Nutzervertrauen
- Inhalte aktualisieren: Sind Leistungen, Preise und Kontaktdaten noch korrekt? Klingen die Texte noch so wie du heute kommunizieren würdest?
- Google Search Console: Gibt es Crawling-Fehler, manuelle Maßnahmen oder auffällige Rankingveränderungen?
Einmal im Jahr
- SSL-Zertifikat: Die meisten Hoster erneuern es automatisch. Trotzdem lohnt ein kurzer Check, ob das Schloss im Browser noch grün ist und kein Zertifikatsfehler angezeigt wird
- Domain-Verlängerung: Domains laufen ab. Wer seinen Verlängerungshinweis übersieht oder die E-Mail-Adresse beim Registrar nicht mehr nutzt, riskiert, die Domain zu verlieren. Ein Kalender-Eintrag ein Monat vor Ablauf kostet drei Sekunden und spart viel Stress. Mehr dazu im Artikel über Domain und Hosting
- Datenschutzerklärung prüfen: Neue Dienste auf der Website, geänderte Rechtslage, neue Anforderungen der DSGVO. Die Datenschutzerklärung muss aktuell sein. Was das im Detail bedeutet, erklärt der Artikel zur DSGVO für Selbständige
- Performance-Check: PageSpeed Insights aufrufen, aktuelle Werte ansehen. Haben sich die Ladezeiten verändert? Gibt es neue Warnungen?
- Backup prüfen: Macht dein Hoster automatische Backups? Sind sie aktuell? Lassen sie sich wiederherstellen? Ein Backup, das man nie getestet hat, ist ein theoretischer Schutz
Wer seine Website nie anfasst, merkt Probleme erst, wenn Kunden sie melden. Dann ist der Schaden meist größer als er hätte sein müssen.
Was passiert, wenn du Wartung ignorierst
Kurzfristig oft: nichts Sichtbares. Mittelfristig können folgende Probleme auftreten:
- Gehackte Website: Spam-Links, Malware, Phishing-Seiten, die Google-Nutzer auf deiner Domain landen lässt — dein Ranking bricht ein und deine Domain kann auf Sperrlisten landen
- Kaputes Kontaktformular: Kunden versuchen dich zu erreichen, bekommen keine Rückmeldung und gehen zur Konkurrenz. Du merkst es nicht
- Abgelaufenes SSL-Zertifikat: Browser zeigen eine Sicherheitswarnung. Viele Besucher kehren sofort um
- Veraltete Inhalte: Falsche Preise, nicht mehr angebotene Leistungen, alte Öffnungszeiten — das kostet Vertrauen
- Ranking-Verluste: Eine Website, die nie aktualisiert wird, verliert über Zeit an Google-Autorität, besonders gegenüber Wettbewerbern, die regelmäßig neue Inhalte veröffentlichen
Was Wartung kostet — und wer sie übernimmt
Hier ist ein ehrliches Bild: Für eine einfache, handgepflegte Website ohne CMS-Updates ist der Wartungsaufwand überschaubar. Ein bis zwei Stunden im Quartal für Inhalts-Updates, Link-Checks und Performance-Kontrolle — das kann man selbst erledigen oder für wenig Geld delegieren.
WordPress-Websites haben höheren Aufwand durch die Update-Pflege. Wer das nicht selbst machen will oder kann, bezahlt einen Freelancer oder eine Agentur. Wartungsverträge gibt es ab etwa 30–80 € pro Monat für einfache Seiten, je nachdem was inkludiert ist.
Was viele übersehen: Die günstigste Website ist nicht immer die wirtschaftlichste. Eine technisch saubere Website, die wenig Wartung braucht, kann langfristig günstiger sein als eine billig gebaute Website mit schlichtem Fundament, die laufend Pflege benötigt.
Selbst warten oder delegieren?
Das hängt davon ab, wie du aufgestellt bist. Was du selbst tun kannst und solltest:
- Inhalte aktualisieren (Texte, Bilder, Preise)
- Kontaktformular regelmäßig testen
- Domain-Verlängerung im Blick behalten
- Google Search Console ab und zu aufrufen
Was du delegieren solltest, wenn du kein technisches Interesse hast:
- CMS-Updates und Sicherheits-Patches (bei WordPress)
- Technische Performance-Optimierungen
- Wiederherstellung nach Problemen oder Hacks
- Änderungen an Code, Layout oder Struktur
Bei Websites, die ich baue, beantworte ich nach dem Launch technische Fragen unkompliziert. Für inhaltliche Änderungen gibt es keine Ticket-Systeme, sondern direkte Kommunikation. Kleine Anpassungen klären wir kurz, größere werden als separate Projekte berechnet.
Wann Wartung nicht mehr reicht
Manchmal zeigen sich Probleme, die mit Pflege allein nicht lösbar sind: eine grundlegende Performance-Schwäche, ein veraltetes Design, das nicht mehr zur aktuellen Positionierung passt, oder fehlende Funktionen, die Kunden erwarten. Dann stellt sich die Frage, ob ein Redesign sinnvoller ist als weiteres Pflastern.
Wann ein Website-Redesign sich lohnt und wann man lieber gezielt optimiert, ist eine Abwägung, die ich im Erstgespräch gerne ehrlich durchgehe.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich für meine Website einen Wartungsvertrag abschließen?
Nein, ein Vertrag ist keine Pflicht. Viele Selbständige mit einfachen Websites erledigen die Wartung selbst oder beauftragen bei Bedarf einzelne Stunden. Wartungsverträge machen Sinn, wenn du regelmäßigen Aufwand absehbar hast (CMS-Updates, häufige Inhaltsänderungen) und ihn nicht selbst übernehmen willst.
Wie oft muss ich meine Website aktualisieren?
Inhalte: sobald sich etwas ändert, das auf der Website steht. Technische Prüfungen (Formulare, Links, Performance): alle drei bis sechs Monate. Für WordPress: Updates monatlich. Für einfache Websites ohne CMS ist der Aufwand deutlich geringer.
Was kostet ein Wartungsvertrag für eine kleine Website?
Einfache Wartungsverträge beginnen bei etwa 30–50 € pro Monat. Darin enthalten sind meist Software-Updates, Backup-Monitoring und ein kleines Stundenkontingent für Änderungen. Der genaue Preis hängt vom Aufwand und dem Leistungsumfang ab. Für viele Selbständige rechnet sich ein Vertrag erst ab einem gewissen Umfang an regelmäßigen Änderungen.
Was passiert, wenn meine Domain abläuft?
Die Domain wird zunächst reserviert — du hast meist eine Kulanzfrist von 30 bis 60 Tagen, um zu verlängern, oft zu erhöhtem Preis. Danach wird sie freigegeben und kann von jedem registriert werden. Laufende E-Mail-Adressen auf der Domain hören auf zu funktionieren. Das ist ein ernstes Problem, das durch einen simplen Kalender-Eintrag verhindert werden kann.
Macht ein Blog auf meiner Website die Wartung aufwendiger?
Ein Blog aus statischen PHP- oder HTML-Dateien ohne CMS läuft wartungsarm. Ein WordPress-Blog hat den üblichen Update-Aufwand. Dafür zahlt ein aktiver Blog in SEO zurück: regelmäßige neue Inhalte signalisieren Google Aktivität und erhöhen die Chance, für mehr Suchbegriffe gefunden zu werden.