Du zahlst wahrscheinlich schon für ChatGPT, Claude oder Gemini. Und überall liest du jetzt, du sollst dir deinen eigenen KI-Assistenten bauen. CustomGPT, Gem, Skill. Jede Firma hat einen anderen Namen dafür und tut so, als wäre es eine eigene Erfindung. Ist es nicht. Ich erkläre, was wirklich dahintersteckt und wann sich der Aufwand für dich als Selbständigen lohnt. Stand Juni 2026.
Der gleiche Trick unter fünf Namen
Keines dieser Dinge ist eine neue KI. Es ist das Modell, das du sowieso schon nutzt, mit einem Kostüm und einer Einweisung.
Ein CustomGPT ist immer noch ChatGPT. Ein Gem ist immer noch Gemini. Ein Skill ist immer noch Claude. Du baust keine klügere KI. Du legst der vorhandenen einen festen Auftrag an. Dieser Auftrag besteht meistens aus drei Teilen:
- Anweisungen. Ein stehender Auftrag, der sagt, wer die KI sein soll und wie sie arbeitet. "Du bist mein Lektor. Streich Füllwörter. Behalt meinen Ton."
- Wissen. Dateien, die du hochlädst, damit die KI aus deinen Unterlagen antwortet statt nur aus dem Training. Dein Styleguide, alte Angebote, ein Produkthandbuch.
- Werkzeuge. Manchmal. Die Fähigkeit, wirklich etwas zu tun, eine Schnittstelle aufzurufen oder Code auszuführen.
Anweisungen sagen, wie die KI sich verhält. Wissen sagt, was sie kennt. Werkzeuge lassen sie handeln. Die meisten dieser Assistenten hören nach den ersten beiden Punkten auf. Beim dritten trennen sie sich, dazu komme ich gleich.
Drei Werkzeuge, dasselbe Prinzip
OpenAI hat das Rennen im November 2023 gestartet. Ein CustomGPT bekommt ein paar Anweisungen, ein paar Dateien als Wissen, Fähigkeiten wie Websuche oder Bildgenerierung, und über sogenannte Actions kannst du es sogar an eine echte Schnittstelle hängen. Dann teilst du es per Link. OpenAI hat einen ganzen GPT Store drumherum gebaut. Es gibt inzwischen Tausende davon, und kaum jemand findet sie.
Google ist mit den Gems im August 2024 nachgezogen. Das ist die schlankste Variante. Ein Gem ist ein gespeicherter Satz Anweisungen für Gemini, optional mit Dateien. Kein Store, für die meisten keine Schnittstellen. Dafür sitzt es in Google Workspace und kann auf deine Docs und Drive zugreifen, wenn du es lässt. Weniger einzustellen, weniger kann es.
Anthropic ist mit den Skills im Oktober 2025 dazugekommen, und die sind etwas anderes. Ein Skill ist eine Datei oder ein Ordner. Darin liegen Anweisungen, und daneben können echte Skripte und Code liegen, die das Modell ausführt. Zwei Dinge machen sie besonders. Claude lädt einen Skill erst, wenn die Aufgabe danach verlangt, du wählst ihn nicht aus einem Menü. Und ein Skill kann laufenden Code mitbringen. Es gibt Skills, die ein echtes Word-Dokument bauen, ein PDF ausfüllen oder ein Skript gegen deine Daten laufen lassen. Nicht die Datei beschreiben. Die Datei machen.
Ein gespeicherter Prompt ist ein gut gebriefter Praktikant. Er redet klug. Anpacken kann er nichts.
Reden oder handeln, das ist der Unterschied
Wenn du das ganze Feld nach einer einzigen Frage sortieren willst, dann nach dieser: Redet der Assistent nur, oder kann er etwas ausführen?
Die meisten reden nur. Ein CustomGPT mit Wissensdateien ist ein besser gebriefter Chatbot. Ein Gem ist ein besser gebriefter Chatbot. Nützlich, aber 90 Prozent davon erreichst du auch, indem du selbst einen guten Prompt einfügst.
Die, die Code ausführen können, sind eine andere Kategorie. Ein Skill, oder ein CustomGPT, der über Actions an einer echten Schnittstelle hängt. Die greifen nach draußen und verändern etwas in der echten Welt. Das ist der Teil, der den Aufwand wert ist. Ich nutze Claude Code jeden Tag, und das ist die Schicht, die aus einem netten Chatbot ein Werkzeug macht, das mir Arbeit abnimmt statt sie nur zu kommentieren.
Lock-in entscheidet, wem dein Workflow gehört
Hier kommt der Haken, den die Werbeseiten verschweigen. Dein CustomGPT funktioniert nur in ChatGPT. Dein Gem funktioniert nur in Gemini. Wer seinen Arbeitsablauf auf einem davon aufbaut, hat sich still für diese eine Firma entschieden, so lange er das Tool nutzt.
Skills sind die Ausnahme. Anthropic hat das Format im Dezember 2025 als offenen Standard veröffentlicht. Innerhalb von zwei Tagen haben Microsoft und OpenAI Unterstützung dafür eingebaut, und bis Frühjahr 2026 lief der Standard in rund 32 Werkzeugen, von Cursor über die Gemini-Kommandozeile bis zu Entwickler-Tools von JetBrains. Ein Skill, den du baust, sitzt also nicht in einem Käfig. Das ist das Gegenteil davon, wie ein CustomGPT oder ein Gem funktioniert.
Wenn du Stunden in einen Assistenten steckst, zählt das mehr, als es klingt. Ein Vergleich, den ich oft ziehe: Es ist derselbe Unterschied wie zwischen einer Website auf deiner eigenen Domain und einem Profil auf einer Plattform, die dir nicht gehört. Mehr dazu in meinem Beitrag über digitale Souveränität.
Beim Daten-Upload wird es heikel
Genau der Teil, der diese Assistenten nützlich macht, ist datenschutzrechtlich der heikelste. Du lädst Dateien hoch, damit die KI aus deinen Unterlagen arbeitet. Bei einem Styleguide ist das egal. Bei einer Kundenliste, einem Angebot mit Namen und Preisen oder einer Mandantenakte nicht.
Zwei Fragen solltest du dir vorher stellen. Wo liegen die hochgeladenen Daten, und wird mit ihnen trainiert? Bei den US-Anbietern landen sie auf Servern in den USA, und die Trainings-Einstellungen ändern sich gern mal still. Wer personenbezogene Kundendaten in einen CustomGPT oder ein Gem schiebt, braucht im Zweifel einen Auftragsverarbeitungsvertrag und sollte das mit einem Datenschutzbeauftragten klären. Was DSGVO für Selbständige konkret heißt, habe ich separat aufgeschrieben.
Mein eigener Umgang damit: Allgemeines rein, Persönliches raus. Der Assistent kennt meinen Schreibstil und meine Standardabläufe. Echte Kundendaten anonymisiere ich oder lasse sie ganz weg.
Lohnt sich das für dich?
Für die meisten Selbständigen lautet die ehrliche Antwort: ein einziger gut gebauter Assistent lohnt sich, ein halbes Dutzend nicht.
Bau dir einen für die Aufgabe, die du jede Woche wiederholst. Angebote schreiben, Texte in deinem Ton lektorieren, Anfragen beantworten. Du briefst ihn einmal sauber und sparst dir danach das ständige Neuerklären. Das ist der Punkt, an dem aus Spielerei echte Zeitersparnis wird.
Was sich nicht lohnt: der Traum vom Marktplatz. Die Stores sind voll, gefunden wird kaum jemand, und das passive Einkommen, das sich viele ausgemalt haben, bleibt fast immer aus. Marketing ist auch hier der schwere Teil. Und das Wissen veraltet. Du lädst deine Dateien einmal hoch und vergisst sie, und ein halbes Jahr später arbeitet der Assistent überzeugt aus einer alten Version. Eine Erinnerung schickt dir niemand.
Bevor du Stunden in einen davon steckst, würde ich genau zwei Dinge prüfen: Kann das Ding etwas ausführen oder nur reden, und kann es das Gebäude verlassen, in dem es gebaut wurde. Der Rest ist Branding. Wenn du KI eher für deine Website nutzen willst als für deinen Alltag, ist mein Beitrag über Websites mit KI erstellen der bessere Startpunkt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen CustomGPT, Gem und Skill?
Im Kern dasselbe: ein gespeicherter Auftrag plus optionale Wissensdateien für ein bestehendes KI-Modell. Der praktische Unterschied liegt darin, dass ein Skill echten Code ausführen kann und seit Dezember 2025 ein offener Standard ist, der in vielen Werkzeugen läuft. CustomGPT und Gem bleiben in ihrer jeweiligen App.
Brauche ich Programmierkenntnisse für einen eigenen KI-Assistenten?
Für einen CustomGPT oder ein Gem nicht. Du schreibst Anweisungen in normaler Sprache und lädst Dateien hoch. Sobald ein Assistent echte Schnittstellen ansprechen oder Code ausführen soll, wird es technischer. Da hilft jemand, der das aufsetzt.
Sind meine hochgeladenen Daten dort sicher?
Das hängt vom Anbieter und deinen Einstellungen ab. Bei US-Diensten liegen die Daten in der Regel auf US-Servern, und ob mit ihnen trainiert wird, solltest du prüfen. Personenbezogene Kundendaten gehören nur nach Rücksprache mit einem Datenschutzbeauftragten in solche Tools, oft braucht es einen Auftragsverarbeitungsvertrag.
Lohnt sich ein eigener KI-Assistent für eine kleine Firma?
Für eine wiederkehrende Aufgabe ja. Ein Assistent, der deinen Ton kennt und deine Standardabläufe, spart spürbar Zeit. Mehrere parallel zu pflegen lohnt sich selten, und auf Einnahmen über einen Store würde ich nicht setzen.