Du hast deine Domain aus dem Bauch heraus gewählt, vor fünf Jahren, schnell, ohne lange zu überlegen. Heute trägst du einen anderen Namen, ein anderes Angebot oder schlicht eine Domain, bei der Kunden immer wieder fragen, wie man die schreibt. Der Wunsch nach einer neuen Domain ist nachvollziehbar. Was die meisten zurückhält, ist die Angst, dass Google sie nach dem Umzug einfach vergisst. Diese Angst ist berechtigt, wenn man es schlecht macht. Und unbegründet, wenn man eine Handvoll Schritte konsequent abarbeitet. Stand Mai 2026, alles aus eigenen Projekten.
Gute Gründe für einen Domain-Umzug
Es gibt vernünftige Anlässe und es gibt schlechte. Vernünftig ist ein Umzug, wenn der Domainname seine Aufgabe nicht mehr erfüllt. Wenn du heiratest und die alte Domain einen veralteten Namen trägt. Wenn dein Geschäftsfeld sich verschoben hat und der alte Name in die Irre führt. Wenn du eine schlechte Domain (mit Bindestrichen, Tippfallen oder einer ausgelaufenen Endung) gegen etwas Klareres tauschen willst. Wenn du eine Marke schützen willst und die passende Domain endlich frei wird.
Schlecht ist ein Umzug, wenn du dich vor allem an deiner alten Seite festgesehen hast und der neue Name in Wirklichkeit das eigentliche Problem nicht löst. Eine schlechte Website wird durch eine neue Domain nicht besser. Wer keine Anfragen bekommt, sollte zuerst lesen, woran das wirklich liegt.
Schlechte Umzüge kosten 40 bis 90 Prozent Traffic
Wer eine Domain einfach durch eine neue ersetzt, ohne sauber umzuleiten, verliert in der Regel zwischen 40 und 90 Prozent seines organischen Traffics innerhalb weniger Wochen. Ich habe das in meinen ersten Kundenprojekten zweimal aus der Nähe gesehen, beides Mal, weil jemand vor mir die neue Seite einfach unter einer anderen Adresse aufgesetzt hatte und die alte Seite eines Tages abgeschaltet wurde.
Was Google sieht: die alte URL liefert plötzlich einen 404 oder gar keine Antwort, die neue URL hat keinerlei Historie. Aus Suchsicht ist das ein doppelter Schaden. Die Rankings der alten Seite fallen, weil sie nicht mehr existiert. Die neue Seite startet bei null, ohne den jahrelang aufgebauten Trust.
Ein sauberer Umzug verliert dagegen in den ersten zwei bis vier Wochen typischerweise 5 bis 15 Prozent, holt das aber innerhalb von acht bis zwölf Wochen wieder auf und ist danach oft sogar besser als vorher. Der Grund: Eine technisch saubere neue Seite läuft meistens schneller, hat bessere Core Web Vitals und nutzt aktuelle Standards.
Drei Vorbereitungen vor dem Umzug
Bevor du irgendetwas umstellst, brauchst du drei Dinge fertig in der Schublade.
- Eine vollständige URL-Liste der alten Seite. Aus der bestehenden Sitemap, einer Search-Console-Auswertung oder einem Crawler-Tool. Jede URL, die existiert und nennenswerten Traffic oder Backlinks hat, muss eine Zieladresse auf der neuen Domain bekommen.
- Ein 1-zu-1-Mapping alt → neu. Idealerweise zeigt jede alte URL auf eine inhaltlich passende neue URL. Pauschal alles auf die neue Startseite umzuleiten ist verlockend und ein Fehler. Google wertet das als „Soft 404" und verteilt den Link-Trust nicht.
- Eine technisch fertige neue Domain. Hosting läuft, SSL-Zertifikat aktiv, neue Sitemap erstellt, alle Inhalte 1:1 übertragen, intern verlinkt, getestet. Erst danach geht es an die Redirects.
Der Umzug in sechs Schritten
Wer sauber arbeiten will, geht die Schritte in dieser Reihenfolge durch. Abweichungen rächen sich.
1. Alle URLs der alten Seite sammeln
Die Google Search Console zeigt dir unter „Seiten" alle indexierten URLs, ein kostenloser Crawler wie Screaming Frog (bis 500 URLs gratis) findet auch die nicht-indexierten. Ergänze die Liste mit allem, was über die Sitemap exportierbar ist. Das Ergebnis ist eine schlichte Tabelle mit allen alten URLs.
2. URL-Mapping alt → neu
Daneben kommt eine zweite Spalte mit der jeweils passenden neuen URL. Bei einem echten 1-zu-1-Umzug (gleicher Aufbau, nur andere Domain) reicht oft ein Such-Ersetzen. Bei einem Relaunch mit neuer Struktur entscheidest du pro alter URL bewusst, wohin sie umgeleitet werden soll. Hier nicht sparen, das ist die wichtigste halbe Stunde des Umzugs.
3. Neue Domain technisch einrichten
Hosting buchen, DNS setzen, SSL-Zertifikat aktivieren, Inhalte übertragen, neue Sitemap unter /sitemap.xml ablegen. Die neue Seite muss vollständig laufen, bevor irgendwas umgeleitet wird. Nutze hier idealerweise einen deutschen Hoster wie All-Inkl* mit einfacher .htaccess-Verwaltung, das macht Schritt 4 deutlich einfacher.
4. 301-Redirects einrichten und testen
Auf der alten Domain kommt in die .htaccess eine Regel pro URL-Paar (oder eine globale Regel, wenn die Struktur identisch bleibt). Wichtig ist der Statuscode 301 (Permanent), nicht 302 (Temporär), sonst überträgt Google den Trust nicht. Jede Weiterleitung danach mit einem Tool wie httpstatus.io prüfen. Eine einzige falsche Regel kann Hunderte URLs in eine 404-Sackgasse schicken.
5. Google Search Console: Adressänderung melden
In der Search Console der alten Domain gibt es unter Einstellungen das Werkzeug „Adressänderung". Dort die neue Domain angeben, Google prüft automatisch, ob die Redirects sauber sind, und nimmt die Änderung formal an. Parallel die neue Sitemap auf der neuen Domain einreichen. Damit weiß Google offiziell Bescheid und beschleunigt die Übernahme deutlich.
6. Monitoring und Backlink-Pflege
In den ersten zwei Wochen täglich die Search Console beider Domains beobachten. Crawl-Fehler? 404er auf der neuen Seite? Indexierungs-Status der wichtigsten URLs? Parallel die wertvollsten Backlinks identifizieren und die Betreiber höflich bitten, direkt auf die neue Domain zu verlinken. Selbst wenn Redirects funktionieren, ist ein direkter Link auf die neue Domain langfristig stärker.
Ein Domain-Umzug ist wie ein Umzug ins neue Geschäft. Wer ein Schild „Wir sind umgezogen, Adresse XY" am alten Schaufenster lässt, behält seine Stammkunden. Wer die Tür einfach abschließt, fängt am neuen Ort von vorne an.
Die ersten zwölf Wochen nach dem Umzug
Die alte Domain bleibt mindestens zwölf Monate aktiv, idealerweise länger. Sie hostet ausschließlich die Redirects, keinen eigenen Inhalt mehr. Wer die alte Domain zu früh abschaltet, verliert den Trust-Transfer.
Die Rankings wandern selten von einem Tag auf den anderen. Typisch ist eine Übergangszeit von vier bis zwölf Wochen, in der manche URLs schon umgezogen sind und andere noch nicht. Geduld lohnt sich. Erst wenn nach drei Monaten immer noch deutliche Verluste sichtbar sind, lohnt eine technische Tiefenprüfung.
Analytics-Daten beider Domains parallel laufen lassen, damit der direkte Vergleich möglich bleibt. Ohne Vergleich weißt du nicht, ob Schwankungen normal sind oder ein Problem signalisieren.
Die häufigsten Fehler beim Domain-Umzug
In meinen Projekten sehe ich immer wieder dieselben fünf Patzer.
- Alles auf die Startseite umleiten. Wie oben beschrieben: Google wertet das als Soft 404, der Link-Trust geht verloren.
- 302 statt 301 verwenden. Temporäre Redirects übertragen den Trust nicht. Standard ist immer 301.
- Die alte Domain zu früh abschalten. Mindestens zwölf Monate aktiv lassen, besser länger. Hosting kostet meistens unter 50 Euro pro Jahr, das ist die billigste Versicherung deines SEO.
- Interne Links nicht mitziehen. Auf der neuen Domain müssen alle internen Verlinkungen direkt auf die neuen URLs zeigen, nicht über Redirects laufen. Sonst verschenkst du Geschwindigkeit und Trust.
- Die Search-Console-Adressänderung vergessen. Ohne das Tool dauert die Übernahme deutlich länger und ist fehleranfälliger.
Manchmal ist eine zweite Domain die bessere Lösung
Wer eine Domain mit viel SEO-Historie, vielen Backlinks und einem etablierten Namen hat, sollte sehr ernsthaft prüfen, ob der Wechsel wirklich nötig ist. Manchmal ist die zweite Domain als Marketing-Domain zusätzlich die bessere Lösung. Eine eigene Landingpage unter der neuen Domain, die auf das Hauptangebot der etablierten Domain verweist, ist oft ehrlicher als ein vollständiger Umzug.
Wenn du nur die Domain-Endung wechseln willst (etwa von .com zu .de), ist die Lage nochmal anders. Hier lohnt sich der Umzug fast immer, weil die geographische Endung in lokalen Suchen einen Bonus hat.
Realistische Kosten für einen Domain-Umzug
Bei einer überschaubaren Selbständigen-Website (10 bis 30 URLs) lässt sich der Umzug an einem konzentrierten Arbeitstag erledigen, inklusive Mapping, Redirects, Search-Console-Setup und Test. Bei mir kostet das zwischen 350 und 600 Euro je nach Komplexität, plus laufendes Monitoring in den ersten Wochen.
Bei einer größeren Seite (über 100 URLs oder strukturellem Umbau) plane ich zwei bis vier Tage und liege zwischen 800 und 2.000 Euro. Was das im Vergleich zu einer ganzen neuen Website kostet, steht im Artikel zu Website-Preisen.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert ein Domain-Umzug technisch?
Bei guter Vorbereitung ein bis zwei Arbeitstage für die eigentliche Umstellung. Plus vier bis zwölf Wochen, in denen Google die Änderungen verarbeitet. Die Übergabe an Google passiert nicht über Nacht.
Verliere ich meine Backlinks beim Umzug?
Nein, wenn du 301-Redirects sauber einrichtest. Google überträgt den Großteil des Link-Trusts auf die neue URL. Wertvolle Backlinks (von etablierten Seiten) solltest du zusätzlich direkt umstellen lassen, das ist langfristig stärker.
Brauche ich für den Umzug Zugang zur alten Domain?
Ja, mindestens zum DNS und zur .htaccess der alten Domain. Ohne das geht es nicht. Wenn die alte Domain bei einem alten Anbieter liegt, an den du nicht mehr rankommst, wird der Umzug deutlich aufwendiger und teilweise unmöglich.
Was passiert mit meinen E-Mail-Adressen auf der alten Domain?
Die migrieren parallel. Idealerweise richtest du auf der neuen Domain die gleichen Adressen ein und leitest die alten weiter, mindestens sechs Monate lang. Mehr dazu im Artikel zu E-Mail mit eigener Domain.
Kann ich nur einen Teil der Seite umziehen?
Ja, einen sogenannten Teilumzug. Einzelne Bereiche (etwa nur den Blog oder nur den Shop) auf eine neue Domain bringen, der Rest bleibt. Technisch aufwendiger, weil die Trennung sauber sein muss. In der Praxis selten sinnvoll, meistens lohnt der komplette Umzug.
Soll ich vor dem Umzug noch warten, bis die Rankings besser sind?
Nein. Je länger du wartest, desto mehr Trust baut die alte Domain auf, den du dann transferieren musst. Wenn die Entscheidung steht, ist früher besser als später. Voraussetzung ist nur, dass die neue Domain inhaltlich und technisch fertig ist.
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