„Bau mir eine Website für mein Unternehmen." Ein Satz, ein Prompt, und ChatGPT, Claude oder Gemini liefern innerhalb von Sekunden funktionierenden HTML-Code. Auf den ersten Blick oft brauchbar. Auf den zweiten Blick hat es Schwächen, die man erst bemerkt, wenn es zu spät ist.
Was KI gut kann
KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude Code und Gemini sind überraschend gut darin, funktionierenden Code zu erzeugen. HTML, CSS, JavaScript, PHP. Die Syntax stimmt meistens. Formulare funktionieren. Navigationen klappen sich auf und zu. Wer vor fünf Jahren versucht hat, ohne Vorkenntnisse eine Website zu bauen, brauchte Wochen. Heute dauert es Minuten.
Für einen schnellen Prototyp, eine interne Seite oder ein Hobbyprojekt kann das völlig ausreichen. Die Technik ist da. Das Problem liegt woanders.
Design und Layout: Funktional, aber austauschbar
KI-generierte Websites sehen sich ähnlich. Standard-Layouts, vorhersagbare Farbschemata, generische Abstände. Das liegt daran, dass die Modelle auf Millionen von Websites trainiert wurden und den Durchschnitt reproduzieren. Der Durchschnitt ist nicht schlecht. Aber er ist eben Durchschnitt.
Man kann das verbessern. Mit präzisen Prompts, konkreten Designvorgaben und Referenzbildern kommt man deutlich weiter. Aber dafür muss man wissen, was gutes Webdesign ausmacht: Typografie, Weißraum, visuelle Hierarchie, Farbkontraste. Wer das nicht mitbringt, bekommt eine Website, die „irgendwie okay" aussieht. Und „irgendwie okay" reicht nicht, wenn du damit Kunden gewinnen willst.
Ein Handwerksbetrieb, der sich von der Konkurrenz abheben will, braucht kein generisches Layout. Er braucht eine Seite, die nach ihm aussieht. Das kann KI aktuell nicht von alleine liefern.
Externe Abhängigkeiten: Das unsichtbare Problem
KI-Assistenten binden standardmäßig externe Ressourcen ein: Google Fonts über Googles CDN, jQuery von einem Content Delivery Network, Bootstrap von einem Fremdserver, Font Awesome Icons von einem externen Dienst. Technisch läuft das.
Das Problem: Jede dieser Verbindungen überträgt Nutzerdaten an Drittanbieter. Jeder externe Request bedeutet, dass die IP-Adresse deines Besuchers an Google, Cloudflare oder einen anderen Server gesendet wird. Und das erfordert nach der DSGVO eine aktive Einwilligung, also einen Cookie-Banner.
KI weiß das nicht. Oder genauer: KI ist nicht darauf ausgerichtet, datenschutzkonform zu arbeiten. Sie arbeitet auf Funktionalität, nicht auf Rechtskonformität. Wenn du nicht explizit sagst „Verwende keine externen CDNs, lade alles lokal", bekommst du eine Website mit einem halben Dutzend Drittanbieter-Verbindungen.
Die Lösung ist nicht schwer: Schriften lokal hosten, Bibliotheken herunterladen und auf dem eigenen Server ablegen, keine externen Dienste einbinden. Aber dafür musst du wissen, dass das Problem überhaupt existiert. Das ist das eigentliche Problem.
Datenschutz und DSGVO: KI denkt nicht daran
KI generiert kein Impressum. KI generiert keine Datenschutzerklärung. KI prüft nicht, ob das Kontaktformular einen Datenschutzhinweis braucht. KI stellt nicht sicher, dass keine Tracking-Cookies ohne Einwilligung gesetzt werden.
Das ist alles Pflicht. Wer eine geschäftliche Website betreibt, braucht ein korrektes Impressum, eine vollständige Datenschutzerklärung und muss sicherstellen, dass keine personenbezogenen Daten ohne Rechtsgrundlage verarbeitet werden.
Man kann KI anweisen, diese Dinge zu berücksichtigen. Aber auch hier gilt: Du musst wissen, was du verlangen sollst. Wer nicht weiß, dass Google Fonts ein DSGVO-Problem sind, wird KI auch nicht bitten, sie lokal einzubinden. Wer nicht weiß, dass ein Kontaktformular einen CSRF-Token braucht, wird nicht danach fragen.
KI kann bauen, was du beschreibst. Sie kann nicht beschreiben, was du brauchst. Das ist der Unterschied.
SEO: Struktur ja, Strategie nein
KI kann sauberes HTML erzeugen: korrekte Heading-Hierarchie, semantische Tags, Alt-Texte für Bilder. Das ist die technische Grundlage für SEO. Aber SEO ist mehr als Technik.
Meta-Titles, die für deine Region und dein Keyword optimiert sind. Texte, die echte Fragen deiner Zielgruppe beantworten. Interne Verlinkung, die Google zeigt, welche Seiten zusammengehören. Strukturierte Daten für lokale Unternehmen. Das erfordert Kontext, Strategie und Branchenkenntnis, die KI nicht mitbringt.
KI erzeugt korrekte Syntax. Aber sie weiß nicht, dass „Webdesigner Neumünster" ein relevantes Keyword für dich ist und „Webdesign Schleswig-Holstein" ein anderes.
Responsive Design: Oft vergessen, selten gut
KI-generierte Websites sehen auf dem Desktop meistens akzeptabel aus. Auf dem Handy oft nicht. Über 60 % der Besucher kommen mobil. Wenn die Navigation nicht funktioniert, der Text zu klein ist oder Bilder über den Bildschirm hinausragen, verlierst du Besucher, bevor sie dein Angebot gelesen haben.
KI kann responsive CSS erzeugen. Aber sie testet es nicht. Sie sieht nicht, dass der Button auf einem iPhone SE zu nah am Rand sitzt oder dass die Schrift in der mobilen Ansicht zu groß ist. Das erfordert menschliches Auge und manuelles Testen.
Performance: Aufgebläht statt schlank
KI-generierter Code ist oft umfangreicher als nötig. Mehr CSS als gebraucht, mehr JavaScript als nötig, mehr HTML-Verschachtelung als sinnvoll. Das Ergebnis: langsamere Ladezeiten, schlechtere Core Web Vitals und damit schlechtere Google-Rankings.
Ein erfahrener Entwickler schreibt schlanken Code, weil er weiß, was nötig ist und was nicht. KI wirft erst alles rein und lässt das Aufräumen dem Nutzer.
Das Grundproblem: Du musst es wissen, um es zu verlangen
Das ist der zentrale Punkt. KI ist ein Werkzeug, das Anweisungen ausführt. Gute Anweisungen führen zu guten Ergebnissen. Schlechte Anweisungen oder fehlende Anweisungen führen zu Websites, die technisch laufen, aber nicht für den Kundenkontakt taugen.
Um KI sinnvoll für eine Unternehmenswebsite einzusetzen, brauchst du Wissen in:
- Webdesign (Layout, Typografie, visuelle Hierarchie)
- DSGVO und Datenschutzrecht (Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Regeln)
- SEO (Keywords, Meta-Tags, lokale Optimierung)
- Performance (Ladezeiten, externe Abhängigkeiten)
- Responsive Design (Mobile Testing, Breakpoints)
- Sicherheit (CSRF, Formularsicherheit, HTTPS)
Wer dieses Wissen hat, kann mit KI schneller arbeiten. Wer es nicht hat, bekommt eine Website, die auf den ersten Blick funktioniert und auf den zweiten Blick Probleme macht.
Wann KI für Websites Sinn ergibt
KI ist kein Ersatz für einen Webdesigner. Aber sie ist ein Werkzeug, das in den richtigen Händen enorm viel Zeit spart.
- Prototypen und Entwürfe: Schnell eine Idee visualisieren, bevor man in die Umsetzung geht
- Code-Beschleunigung: Entwickler nutzen KI, um repetitive Aufgaben schneller zu erledigen
- Textentwürfe: Erste Versionen von Website-Texten generieren, die dann überarbeitet werden
- Technische Umsetzung mit Fachwissen: Wer weiß, was er braucht, kann KI gezielt anweisen
Ich nutze KI selbst in meiner Arbeit. Für Code, für Automatisierung, für Entwürfe. Aber alles muss überprüft werden.
Kein Anwalt, keine Rechtsberatung
Die DSGVO-Hinweise in diesem Artikel basieren auf meiner Erfahrung als Webdesigner. Ich bin kein Jurist. Die rechtliche Bewertung deiner konkreten Situation kann nur ein Anwalt für IT-Recht oder ein Datenschutzbeauftragter leisten.
Häufig gestellte Fragen
Kann ChatGPT eine professionelle Firmenwebsite erstellen?
Technisch ja, praktisch mit Einschränkungen. Der Code funktioniert, aber Design, DSGVO-Konformität, SEO-Strategie und Performance müssen von jemandem geprüft und korrigiert werden, der sich damit auskennt. Eine KI-generierte Website ohne Nacharbeit taugt in den meisten Fällen nicht für den Kundenkontakt.
Ist eine KI-generierte Website DSGVO-konform?
Standardmäßig nein. KI bindet externe Dienste ein, die Nutzerdaten übertragen, und erzeugt weder Impressum noch Datenschutzerklärung. Beides muss manuell ergänzt oder durch gezielte Anweisungen an die KI eingefordert werden.
Brauche ich einen Cookie-Banner bei einer KI-erstellten Website?
Sehr wahrscheinlich ja, wenn du die KI nicht explizit anweist, keine externen Dienste einzubinden. Google Fonts, CDNs und Tracking-Skripte erzeugen Cookie-Banner-Pflichten. Wie man das vermeidet, habe ich separat erklärt.
Ist es günstiger, eine Website mit KI zu bauen statt mit einem Webdesigner?
In der Erstellung ja, in der Gesamtrechnung nicht unbedingt. Was eine Website kostet, hängt nicht nur vom Code ab. Wenn du nach dem Launch eine Abmahnung bekommst, weil die DSGVO nicht eingehalten wurde, oder wenn die Seite bei Google nicht gefunden wird, weil SEO fehlt, waren die gesparten 500 Euro keine gute Investition.
Kann ich KI und einen Webdesigner kombinieren?
Ja, und das ist oft der sinnvollste Weg. KI beschleunigt die technische Umsetzung. Ein Webdesigner bringt Erfahrung in Design, Datenschutz, SEO und Strategie mit. Die Kombination aus beidem spart Zeit, ohne auf Qualität zu verzichten.