Ich habe in diesem Blog einiges gegen WordPress geschrieben. Zu langsam, zu viele Plugins, zu viel Pflege. Ein Teil davon war berechtigt, und zwar für das WordPress, das ich damals vor mir hatte: alte Themes, Shortcode-Builder, Plugin-Sammlungen. In den letzten Monaten habe ich in der Agentur wieder häufiger Kundenprojekte mit WordPress gebaut, in der Version 7 mit Divi 5. Und diese Kombination hat mit dem WordPress, über das ich mich früher geärgert habe, überraschend wenig zu tun. Zeit für ein Update. Stand August 2026.
Divi 5 ist ein Neubau
Divi 5 ist seit dem 26. Februar 2026 offiziell draußen, nach über einem Jahr öffentlicher Beta. Das ist kein Facelift, sondern ein Neubau. Der wichtigste Unterschied steckt unter der Haube: Die Shortcodes sind weg. Divi 4 musste bei jedem Seitenaufruf einen Berg Shortcodes parsen, um daraus die Seite zu bauen. Divi 5 speichert Layouts als strukturierte Daten, die der Renderer direkt lesen kann.
Das ist messbar. Ein unabhängiger Test kam für dieselbe Seite auf 1,3 statt 2,3 Sekunden Ladezeit und 20 statt 39 HTTP-Anfragen. Solche Zahlen hängen immer vom Setup ab, aber die Richtung deckt sich mit meinem Eindruck aus den Agentur-Projekten. Der Editor fühlt sich nicht mehr zäh an, und die fertigen Seiten kommen bei den Core Web Vitals ohne Verrenkungen auf grüne Werte.
Dazu kommt der Takt. Seit dem Release liefert Elegant Themes wöchentliche Updates. Bestehende Divi-4-Seiten laufen in einem Kompatibilitätsmodus weiter, ein Migrator konvertiert sie schrittweise.
WordPress 7 legt nach
Parallel dazu hat sich der Unterbau bewegt. WordPress 7.0 kam im Mai 2026 mit einem überarbeiteten Admin-Design, mit Echtzeit-Zusammenarbeit im Editor (zwei Leute gleichzeitig im selben Beitrag, ohne Sperre) und mit einer anbieterneutralen KI-Schnittstelle, an die sich unter anderem OpenAI, Anthropic und Google anbinden.
WordPress 7.1 folgte vergangene Woche: Hover- und Fokus-Zustände lassen sich jetzt ohne eigenes CSS gestalten, der Site Editor kann responsives Styling nativ, und es gibt neue Blöcke wie Tabs. Das Backend, das viele Kunden früher überfordert hat, ist deutlich aufgeräumter geworden.
Schlecht aufgesetzt bleibt schlecht, egal wie neu die Version ist. Aber gut aufgesetzt ist WordPress 2026 ein anderes Werkzeug als noch vor drei Jahren.
Ein Teil der Kritik bleibt
Damit das kein Werbetext wird: Ein paar Dinge haben sich nicht geändert.
- Wartung bleibt Pflicht. Updates, Plugins, Backups. Wer das liegen lässt, hat dieselben Probleme wie vor fünf Jahren.
- Plugins bleiben Plugins. Divi 5 macht den Builder schnell, nicht die Plugin-Liste kurz. Eine Installation mit zwanzig Erweiterungen braucht weiter Disziplin.
- Lizenzkosten. Divi kostet rund 89 Dollar pro Jahr oder einmalig 249 Dollar, für beliebig viele Websites (Stand August 2026). Fair, aber ein laufender Posten, den eine individuelle Seite nicht hat.
Und für eine kleine Business-Website, die selten angefasst wird, bleibt eine schlanke individuelle Lösung oft die einfachere Wahl. Weniger System, weniger Pflege.
Meine Empfehlung
WordPress 7 mit Divi 5 passt, wenn Inhalte regelmäßig gepflegt werden sollen und zwar von dir oder deinem Team, nicht von deinem Webdesigner. Mehrere Autoren, ein wachsender Blog, Landingpages, die das Marketing selbst baut, ein Shop. Genau die Projekte, für die ich WordPress auch früher schon gelten ließ, nur dass die Umsetzung heute schneller lädt und angenehmer zu bedienen ist.
Für die kleine, ruhige Firmen-Website gilt weiter, was ich im Artikel über Alternativen zu WordPress beschrieben habe: Das Werkzeug sollte zur Größe der Aufgabe passen. Neu ist, dass WordPress als Werkzeug wieder eine gute Figur macht, wenn die Aufgabe groß genug ist.
Häufig gestellte Fragen
Ist Divi 5 wirklich schneller als Divi 4?
Ja. Divi 5 speichert Layouts als strukturierte Daten statt als Shortcodes, die bei jedem Aufruf geparst werden müssen. Ein unabhängiger Test maß 1,3 statt 2,3 Sekunden Ladezeit. Wie schnell eine konkrete Seite ist, hängt trotzdem an Hosting, Plugins und Bildern.
Muss ich von Divi 4 auf Divi 5 wechseln?
Mittelfristig ja. Elegant Themes hat angekündigt, Divi 4 nach dem Release nur noch für eine Übergangszeit mit kritischen Fixes zu versorgen. Der eingebaute Migrator konvertiert bestehende Seiten schrittweise, ein Kompatibilitätsmodus hält alte Module am Laufen.
Was kostet Divi 5?
Rund 89 Dollar pro Jahr oder einmalig 249 Dollar, jeweils für beliebig viele Websites (Stand August 2026). Wer schon eine Divi-Lizenz hat, bekommt Divi 5 ohne Aufpreis.
Lohnt sich der Umstieg von einer alten WordPress-Seite?
Wenn die Seite auf einem alten Theme oder Builder läuft und langsam ist, lohnt die Prüfung. Manchmal reicht der Update-Pfad auf WordPress 7 mit einem aktuellen Builder, manchmal ist ein Neubau effizienter. Das hängt vom Zustand der bestehenden Seite ab.
Ist WordPress mit Divi 5 auch für kleine Business-Websites die richtige Wahl?
Es funktioniert, ist aber oft mehr System als nötig. Wer seine Seite zweimal im Jahr anfasst, fährt mit einer schlanken individuellen Lösung meistens günstiger und pflegeleichter.