Ich verkaufe auf Gumroad. Alle meine Guides liegen dort, für Medium, für Substack, dazu Icon-Sets und anderes. Seit Jahren.

Einmal bin ich gegangen. Im Januar 2023, als Gumroad auf eine pauschale Gebühr von 10 Prozent umgestellt hat, habe ich ein halbes Jahr lang Payhip parallel laufen lassen und das meiste dorthin umgezogen. In der Zeit, und kürzlich noch einmal als Test für einen zweiten Shop, habe ich auch Lemon Squeezy ausprobiert. Deshalb dachte ich, ein neuer Vergleich der drei für 2026 wäre nicht verkehrt.

Neutral ist das also nicht. Ich nutze die Plattform, die mir am besten gefällt. Es ist die Empfehlung, die ich einem Freund geben würde, der fragt, welche der drei er nehmen soll.

Im Kern machen alle drei dasselbe: Datei hochladen, Preis festlegen, Geld bekommen, die Steuer jemand anderem überlassen. Die Unterschiede liegen bei den Gebühren, beim Design, bei der E-Mail-Funktion, und bei KI. Natürlich KI.

Geld

Gumroad nimmt 10 Prozent plus 50 Cent pro Verkauf. Keine Monatsgebühr. Billig ist das trotzdem nicht. Verkäufe, die über Gumroads eigenen Marktplatz Discover reinkommen, kosten sogar 30 Prozent. Happig.

Ein Guide für 19 Dollar zeigt bei mir eine Gebühr von 2,40 Dollar.

Payhip hat drei Tarife. Kostenlos mit 5 Prozent, Plus für 29 Dollar im Monat mit 2 Prozent, Pro für 99 Dollar mit 0 Prozent. Die Zahlungsabwicklung über Stripe oder PayPal kommt bei allen dreien obendrauf, grob 2,9 Prozent plus 30 Cent.

Lemon Squeezy nimmt 5 Prozent plus 50 Cent, ohne Monatsgebühr.

Kurz gerechnet. Ein Produkt für 20 Dollar, 100 Verkäufe, 2.000 Dollar Umsatz.

Gumroad ist die teuerste der drei Plattformen. Seit 2023 durchgehend.

Noch eine Geldsache. Gumroad hat im März die Mindestauszahlung von 10 auf 100 Dollar angehoben, soweit ich gelesen habe, für Konten ohne abgeschlossene Identitätsprüfung. Geprüfte Konten bleiben bei 10 Dollar. Meins ist geprüft, ich habe davon nichts gemerkt. Viele andere schon.

Umsatzsteuer

Hier wird es für uns in Deutschland relevant. Wer ein digitales Produkt an eine Privatperson in einem anderen EU-Land verkauft, schuldet die Umsatzsteuer des Landes, in dem der Käufer sitzt. Frankreich 20 Prozent, Ungarn 27. Für Großbritannien gilt seit dem Brexit ein eigenes System. Irgendjemand muss diese Steuer beim Kauf einziehen, melden und an das richtige Land abführen.

Dieser Jemand heißt Merchant of Record, auf Deutsch etwa der Händler im rechtlichen Sinn. Ist es die Plattform, verkauft sie in eigenem Namen an eure Kunden, und ihr bekommt den Nettobetrag. Ist es keiner, seid ihr es selbst.

Gumroad ist seit Januar 2025 bei jedem Verkauf Merchant of Record, in abgeschwächter Form war es das schon davor. Seit 2025 berechnet Gumroad die Steuer, schlägt sie an der Kasse auf, meldet sie und führt sie ab. Weltweit. Ich bekomme den Nettobetrag und bin fertig.

Lemon Squeezy hat immer so gearbeitet. Das ist ihr Verkaufsargument, und es ist ein gutes System.

Payhip zieht die Umsatzsteuer für EU und Großbritannien automatisch ein und führt sie ab, so steht es auf der Preisseite. Für die US-Sales-Tax und den Rest der Welt seid ihr selbst zuständig, soweit ich das sehe. Für viele Verkäufer reicht das. Für mich in Deutschland heißt es: eine Sache weniger, an die ich denken muss.

Für EU-Verkäufer gibt es eine Schwelle von 10.000 Euro im Jahr für grenzüberschreitende Verkäufe an Privatkunden. Darunter gilt die deutsche Umsatzsteuer, darüber die des Käuferlandes, abgerechnet über das One-Stop-Shop-Verfahren beim Bundeszentralamt für Steuern. Ich bin kein Steuerberater, fragt bitte euren. Aber genau dieses Verfahren erspart euch eine Plattform, die Merchant of Record ist.

Die Ersparnis einer günstigeren Plattform kann in der Rechnung des Steuerberaters verschwinden. Oder, schlimmer, in rechtlichen Folgen, wenn ihr das gar nicht macht. Was viele tun, weil sie es schlicht nicht wissen. Wer in die EU oder nach Großbritannien verkauft, braucht die Umsatzsteuer.

Design

Hier gewinnt Payhip. Einigermaßen. Dazu gleich mehr. Payhip hat Themes, Seiten, eine Startseite, die ihr umbauen könnt, Blöcke zum Verschieben. Ein kleiner Website-Baukasten mit angeschlossener Kasse. Ihr könnt mit Payhip eure komplette Website samt Blog bauen, kostenlos.

Gumroad hatte ein Theme: Gumroad. Schrift auswählen, Produkte umsortieren, das war es. ABER.

Das hat sich in diesem Sommer geändert. Profilseite und Shop-Seiten können bei Gumroad jetzt mit eigenem HTML laufen. Ihr schreibt die Seite, oder lasst sie von einem Agenten schreiben, ladet sie hoch, fertig. Gumroad bereinigt den Code und schickt ihn vor der Veröffentlichung durch eine Inhaltsprüfung. Eine Linkfarm auf einer gumroad.com-Subdomain geht also nicht.

Das läuft über die Kommandozeile oder den Agent-Tab, nicht über einen Drag-and-drop-Editor. Also für Leute, die HTML schreiben können oder Claude schreiben lassen. Das sind inzwischen viele von uns. Zusätzliche Seiten und ein paar eigene Elemente gehen auch. Gumroad hat sich hier ein Stück bewegt.

Meiner sieht noch aus wie Gumroad. Vorerst.

Lemon Squeezy liegt dazwischen. Ein sauberer gehosteter Shop, Checkout-Overlays für die eigene Website, wenig Einfluss auf den Rest.

Terminal

Gumroad arbeitet inzwischen ernsthaft mit KI. An mehreren Stellen.

brew install antiwork/cli/gumroad, zum Beispiel. Einmal anmelden, und der Shop lebt im Terminal. Produkte, Verkäufe, Auszahlungen, Lizenzen, Rabattcodes, Webhooks, Upsells, E-Mails, Seiten. Rund zwanzig Befehlsgruppen. Jeder Befehl, der etwas verändert, hat einen Probelauf-Schalter. Ihr könnt das an Claude oder Codex hängen und alles auswerten, neue Produkte anlegen, E-Mails erstellen lassen und so weiter.

Dazu gibt es gumroad skill. Der Befehl schreibt eine Datei, die Claude Code oder Codex beibringt, mit all dem umzugehen, ohne etwas kaputt zu machen. Produktbilder, Vorschaubilder und Beschreibungen setze ich inzwischen aus dem Terminal. Und der Agent-Tab in der App macht dasselbe in einem Chatfenster, für alle, die kein Terminal öffnen wollen. Wie ich meine Substack-Arbeit auf dieselbe Art automatisiert habe, steht in einem eigenen Artikel.

Seit Juli erscheint alle paar Tage eine neue Version der Kommandozeile.

Die Firma hinter Gumroad heißt übrigens jetzt Antiwork. Ihr Versprechen: Agenten, die Gumroad betreiben. Komischer Name. Ernste Richtung. Mir gefällt es bisher.

Weder Payhip noch Lemon Squeezy haben etwas Vergleichbares, soweit ich weiß. Lemon Squeezy hat eine gute API. Payhip hat … ein Dashboard.

Stripe

Stripe hat Lemon Squeezy im Juli 2024 gekauft. Im Januar hat Lemon Squeezy Stripe Managed Payments als ersten großen Meilenstein dieses Deals vorgestellt. Managed Payments ist Stripes eigenes Merchant-of-Record-Produkt, gebaut aus dem, was sie gekauft haben.

Das ist irgendwie seltsam. Für mich klingt es nach dem Anfang vom Ende von Lemon Squeezy. Macht daraus, was ihr wollt.

Lemon Squeezy läuft weiter. Dieselben 5 Prozent plus 50 Cent, weiterhin offen für neue Konten. Managed Payments selbst gibt es nur über eine Warteliste, vor allem für US-Firmen, soweit ich gelesen habe. Auf der Produktseite nennt Stripe keinen Prozentsatz. Dritte sprechen von 3,5 Prozent zusätzlich zu den normalen Stripe-Gebühren. Ausprobiert habe ich es nicht.

Wer heute bei Lemon Squeezy anfängt, fängt also auf einem Produkt an, das gerade in ein anderes überführt wird, würde ich sagen. Das kann gut ausgehen. Stripe hat die Infrastruktur, die Lemon Squeezy nie hatte. Aber niemand kann euch sagen, wie eure Gebühr in einem Jahr aussieht. Das wüsste ich gern, bevor ich einen Shop umziehe.

E-Mail

Gumroad hat E-Mail eingebaut. Für mich ist das die entscheidende Funktion. Sie hat bei mir ein richtiges, teures E-Mail-Marketing-Tool wie Kit oder MailerLite ersetzt.

Jeder Käufer und jeder, der ein Gratis-Produkt lädt, landet auf einer Liste, sortiert nach Produkt. Rundmails, und Automationen: Tag 0 danke, Tag 2 so nutzt ihr es, Tag 5 hier ist noch etwas. Ich betreibe darauf ein paar Newsletter und zahle dafür nichts, wenn man die Prozentgebühr nicht mitrechnet. Andere Tools nehmen dafür viel Geld. Wieder Kit, MailerLite, Mailchimp und Co. Wie sich Gumroad gegen die eigentlichen Newsletter-Plattformen schlägt, steht im Newsletter-Vergleich.

Lemon Squeezy hat auch E-Mail-Marketing, kostenlos bis 500 Abonnenten, danach eine Monatsgebühr. Die wird bei größeren Listen schnell teuer.

Payhip hat nichts, was den Namen verdient. Anbindungen an Kit, MailerLite und die anderen, ja. Eigene Automation, nein, nicht wirklich.

Nachteile

Gumroad kostet am meisten, und 10 Prozent plus 50 Cent auf einen Guide für 15 Dollar sind 2 Dollar. Bei tausend Verkäufen sind das 2.000 Dollar. Payhip Pro für 99 Dollar im Monat rechnet sich ab etwa 2.000 Dollar Monatsumsatz. Wenn die Marge euer einziger Maßstab ist, verliert Gumroad deutlich.

Design ist bei Gumroad jetzt möglich, nicht einfach. Kein Drag-and-drop. Wer weder HTML noch einen Agenten anfassen will, hat mit Payhip* weiterhin den besseren Shop.

Payhips Backend wirkt etwas altbacken, die Affiliate-Auszahlungen laufen von Hand, und eine eigene Automation fehlt. Aber bei der Anpassbarkeit ist Payhip die Nummer eins.

Lemon Squeezy steckt mitten im Umbau und ist zuerst für Software gebaut. Abos, Lizenzschlüssel, nutzungsbasierte Abrechnung. Für ein PDF ist das etwas mehr, als ihr braucht. Kein Problem, nur eine Frage der Passung.

Und alle drei sind gemietet. Eine Sperre, eine Regeländerung, eine Stripe-Roadmap, und euer Shop steht woanders. Behaltet eure Dateien und eure Kundenliste an einem Ort, den ihr (eher) kontrolliert. Warum die eigene Domain dabei das Wichtigste ist, habe ich an anderer Stelle aufgeschrieben.

Unterm Strich

Ich bleibe bei Gumroad. Einfach, Steuern erledigt, E-Mail inklusive, und jetzt ein Terminal. Die Gebühr tut weh. Ich weiß aber, wofür ich zahle. Und ich hatte auf Gumroad noch nie ein Problem.

Payhip ist gut, wenn Design und Marge wichtiger sind als Automation. Für manche sind sie das.

Lemon Squeezy nehmt ihr, wenn ihr Software mit Abos verkauft und es aushaltet, Stripe dabei zuzusehen.

Wo verkauft ihr?

* Affiliate-Link: Wenn du darüber einen Vertrag abschließt, bekomme ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.

Zuerst auf Englisch erschienen: Medium