Ich veröffentliche fast alles zweimal. Erst auf Medium, etwas später auf Substack. Derselbe Text, zwei Domains.

Und ich wette, jeder SEO-Ratgeber, den ihr kennt, warnt vor Duplicate Content. Google ist verwirrt, die beiden Versionen machen sich Konkurrenz, am Ende verlieren beide. So die Theorie jedenfalls. Und sie klingt logisch.

Also habe ich in meine eigenen Daten geschaut. Google Search Console, beide Domains, 90 Tage.

Die Ausgangslage

Mein Medium läuft auf stories.byburk.net, mein Substack auf letters.byburk.net. Beide mit eigener Domain, beide in der Search Console, was bei Medium nur mit eigener Domain geht. Ich habe für jede Domain die 1.000 wichtigsten Suchanfragen gezogen, über 90 Tage, im August.

In diesem Zeitraum hatte Medium rund 4.200 Klicks bei 380.000 Impressionen. Substack kam auf rund 700 Klicks bei 290.000 Impressionen.

Substack wird also oft angezeigt. Nur viel seltener angeklickt. Das kennt ihr vielleicht schon aus meinem Vergleich der Blogging-Plattformen.

Acht Prozent Überschneidung

Von rund 1.000 Suchanfragen pro Domain tauchen nur 83 bei beiden auf.

Das sind etwa acht Prozent Überschneidung in der Search Console.

Den Rest der Zeit ranken die beiden Domains für unterschiedliche Dinge. Meistens dieselben Artikel. Aber andere Suchen. Ich vermute, Google sortiert vieles davon schon selbst. Finde ich ziemlich spannend.

Google kürt einen Sieger

Wenn doch beide Versionen für dieselbe Anfrage ranken, nimmt Google meistens eine und schiebt die andere weit nach unten. Keine Abstrafung. Die Kopie landet einfach irgendwo auf Seite vier oder fünf.

Ein paar Beispiele:

Meistens gewinnt Medium. Aber nicht immer. Bei „best blogging platform“ lag Substack auf Platz 8, Medium auf 11.

Welche Version Google nimmt, lässt sich schwer vorhersagen. Jeder Cross-Post heißt für mich also zwei Chancen statt einer.

Zweimal auf Seite eins

Und manchmal entscheidet Google sich gar nicht.

Bei 26 der 83 gemeinsamen Anfragen stehen beide Versionen auf Seite eins. „claude cowork vs antigravity“ zum Beispiel: Medium auf Platz 2, Substack auf 10.

Doppelt so viel Platz in den Suchergebnissen. Für denselben Text.

Einen Haken gibt es immer

Substack lässt euch keinen Canonical-Tag auf das Medium-Original setzen. Ihr könnt Google also nicht sagen, welche Version zuerst da war. Google entscheidet. Auf Medium geht das dagegen. Weil meine Medium-Artikel aber meistens besser ranken, setze ich dort keinen Canonical-Link auf die Substack-Version mehr.

Geschadet hat es bisher nicht.

Aber Google entscheidet nicht immer gut. Im September habe ich meine zehn neuesten Medium-Artikel mit der URL-Prüfung der Search Console gecheckt. Fünf waren Google „unbekannt“. Zwei waren als Duplikat markiert, und Googles Canonical zeigte auf fremde Medium-Beiträge. Nicht auf meinen Substack. Auf Fremde. So will ich das natürlich nicht.

Das könnte ein Medium-Problem sein, kein Cross-Posting-Problem. Ich schaue mir das noch genauer an.

Und: Das ist ein Autor, eine Nische, 90 Tage. Eure Zahlen können ganz anders aussehen. Meine Daten sind außerdem vom August. Ich aktualisiere das hier, sobald ich neue Zahlen oder Probleme finde.

So mache ich es

Ich veröffentliche weiter doppelt. Erst Medium, dann Substack.

Eine kleine Änderung: Titel und Untertitel variiere ich manchmal ein bisschen je Plattform. Genug, dass Google seltener eine Version komplett aussortiert. Außerdem ist das Publikum ein anderes.

Ansonsten bleibt meine Strategie, wie sie ist.