Vor zwei Jahren habe ich geschrieben, dass sich ein Newsletter viel schwerer zu Geld machen lässt, als überall behauptet wird. Gerechnet habe ich damals mit einer Faustregel, gestützt auf meine eigenen Zahlen: Zwei bis fünf Prozent einer kostenlosen Liste werden zu zahlenden Abos.

Viel ist das nicht. Ein Newsletter ist trotzdem eine gute Sache. Die Liste „gehört" euch, so steht es überall. Stimmt im Großen und Ganzen. Mit einem Haken: Eine E-Mail-Liste wachsen zu lassen ist harte Arbeit. Schwerer, würde ich sagen, als Reichweite auf Social Media. Und aus kostenlos zahlend zu machen, ist noch mal eine Nummer schwerer.

Passend dazu: Die Newsletter-Plattform Beehiiv hat im Juni 2026 ihre Zahlen zu Conversions veröffentlicht. Der Median im Report liegt bei 0,62 Prozent.

Sechs Leser von tausend...

Lasst das kurz sacken.

Die Zahlen

Der Report ist vom 22. Juni und beruht auf Plattformdaten aus erster Hand: Tausende bezahlte Publikationen auf Beehiiv, 2021 bis 2026, aufgeschlüsselt nach Branche und Listengröße. Medianwerte, sofern nicht anders angegeben.

Das sind also nur Beehiiv-Daten. Für Substack oder andere ist das nicht repräsentativ. Ich vermute allerdings, dass die anderen nicht weit davon weg liegen. Substack vielleicht etwas besser, wegen Notes, aber in derselben Größenordnung.

Bei Beehiiv liegt der Median für frei zu zahlend bei 0,62 Prozent. Am besten schneidet Sport ab, mit 1,93 Prozent. Hätte ich nicht gedacht.

Übrigens: Die mittlere Publikation schaltet die Bezahlfunktion 45 Tage nach dem Start frei. Auch eine interessante Zahl.

Rechnen wir mal

Mit der Zwei-bis-fünf-Prozent-Annahme sah das in meinem alten Artikel so aus: Bei fünf Prozent brauchen 100 zahlende Abos eine Liste von 2.000 Leuten. Machbar, dachte ich, in ein, zwei Jahren stetiger Arbeit. Nicht für jeden, natürlich. Nicht in jeder Nische. Allgemein gesprochen.

Bei 0,62 Prozent brauchen dieselben 100 zahlenden Abos eine Liste von rund 16.000.

Das ist mal eine Liste!

Der Medianpreis im Report liegt bei 10 Dollar im Monat oder 100 Dollar im Jahr. 100 zahlende Abos sind also rund 1.000 Dollar im Monat, vor dem Anteil der Plattform, vor Stripe, vor Steuern.

16.000 kostenlose Leser dafür.

Und das ist die Mitte. Median. Die Hälfte dieser Publikationen liegt darunter. Deutlich darunter. Manche darüber. Meine alte Rechnung war um den Faktor fünf zu freundlich. Autsch.

Preise

10 Dollar im Monat und 100 im Jahr im Median, das Jahresabo ist also fast überall das günstigere. Nach Branchen liegen die Medianpreise zwischen 7 und 27 Dollar im Monat und zwischen 80 und 292 Dollar im Jahr.

Oben stehen Wirtschaft und Investment. Da können die Leute das absetzen. Klar.

Unten fangen die meisten von uns an.

Abwanderung

Die Churn-Rate ist die Zahl, die mir vor zwei Jahren gefehlt hat, abgesehen von meinen eigenen Werten. Die waren wichtig. Weil ich halb so schnell Abos verloren habe, wie ich neue gewonnen habe.

Bei Beehiiv: Essen und Trinken am niedrigsten mit 5,06 Prozent im Monat, Nachrichten 5,47, Sport 7,76, KI 13,33, Geldthemen am höchsten mit 16,67 Prozent.

Bei 16,67 Prozent im Monat tauscht ihr eure zahlende Liste innerhalb eines Jahres einmal komplett aus.

Beehiiv setzt die Verweildauer eines Abos je nach Thema zwischen 6 und 20 Monaten an, den Wert eines Abos über die gesamte Laufzeit zwischen 230 Dollar (Investment) und 83 Dollar (Community).

Jemanden zum Zahlen zu bringen ist die eine Aufgabe. Ihn zu halten ist die andere, und die hört nie auf.

Für wen lohnt es sich dann?

Die besten zehn Prozent erzählen eine etwas andere Geschichte. Von Substack kennen wir das auch. Bei Beehiiv kommen Wirtschaftsnischen dort oben auf 30,80 Prozent, Finanzen auf 20,00, Investment auf 18,69.

Einer von dreien. Einer von fünf. Verrückte Zahlen.

Ich vermute, ein Abo, das sich selbst bezahlen könnte, verkauft sich leichter als eines, das mit Lesevergnügen zurückzahlt. Geldthemen, Steuerthemen, alles, was sich absetzen oder in eine Entscheidung übersetzen lässt.

Einen Haken gibt es immer

Das sind Beehiiv-Publikationen und sonst keine. Substack, Ghost, Kit und der Rest fehlen, und eine Plattform zieht einen bestimmten Typ Autor an. Hatte ich erwähnt.

Im selben Report steht Beehiivs eigener Abo-Umsatz: 19 Millionen Dollar für 2025, erwartete 35 Millionen für 2026. Ein Interesse daran, dass dieser Markt gesund aussieht, haben sie also. Verständlich. Frisierte Zahlen vermute ich hier trotzdem nicht.

Plattformdaten aus erster Hand schlagen eine Umfrage darüber, was Leute glauben zu verdienen, in meinen Augen. Anekdoten decken sich selten mit echten Statistiken. Weiß die Wissenschaft, gilt hier auch.

Aber es ist eben eine Plattform, und ein Median plättet die Verteilung. 0,62 Prozent sagt nichts darüber, wie viele dieser Publikationen die Bezahlfunktion angeschaltet, vier Abos verkauft und dann aufgegeben haben.

Fazit

Trotzdem finde ich die Zahlen aus diesem Juni-Report richtig interessant. Quoten, Nischen, Abwanderung.

An meiner Arbeit ändert das nichts. Aber ich lese so etwas gern.

Wie geht es euch damit?

Übrigens: Letters ist kostenlos

Mein englischer Newsletter Letters by Burk ist kostenlos. Und das bleibt so. Zahlende Abos sind eine schöne Sache. Gerade nur nicht mein Geschäftsmodell.