„Schau mal auf unserer Website nach" ist ein Satz, den Vereinsmitglieder ständig hören. Wenn sie dann auf der Seite landen und die letzte Aktualisierung von 2019 stammt, ist das kein guter erster Eindruck. Eine Vereinswebsite muss kein Designwunder sein. Aber sie muss funktionieren und aktuell sein.

Was Besucher einer Vereinswebsite suchen

Die meisten Besucher kommen mit einer konkreten Frage. Wann ist das nächste Training? Wie werde ich Mitglied? Wer ist Ansprechpartner? Wenn die Antwort nicht in zehn Sekunden zu finden ist, geht der Besucher zurück zu Google.

Das klingt banal, aber die Realität sieht anders aus. Viele Vereinsseiten verstecken die Trainingszeiten in einem PDF, das „Hallenplan_2024_v3_final.pdf" heißt. Die Kontaktadresse steht im Impressum. Und die Beitrittsinformation ist ein Fließtext, der mit der Vereinsgeschichte von 1952 beginnt.

Die fünf Pflichtseiten

Ein Verein braucht keine zwanzig Unterseiten. Fünf reichen für den Anfang.

Alles andere ist optional. Eine Galerie, eine Chronik, eine Sponsorenseite. Kann man haben, muss man nicht.

Termine und Aktuelles

Nichts schadet einer Vereinswebsite mehr als veraltete Inhalte. Wenn unter „Aktuelles" ein Sommerfest von 2023 steht, wirkt der Verein inaktiv. Selbst wenn er 200 Mitglieder hat und jede Woche drei Trainings anbietet.

Die Lösung ist nicht ein kompliziertes CMS, das niemand bedient. Die Lösung ist eine einfache Struktur, die mit wenig Aufwand aktuell gehalten werden kann. Eine Terminliste mit festen Trainingszeiten muss nicht wöchentlich gepflegt werden. Und besondere Veranstaltungen lassen sich als kurze Einträge ergänzen.

Wer keinen Blog pflegen will, sollte auch keinen haben. Eine statische Seite mit korrekten Informationen ist besser als ein leerer Blog mit dem letzten Eintrag von vor zwei Jahren.

Der häufigste Fehler

Zu viel auf einmal. Ein Verein ist kein Unternehmen. Die Website muss keine Leads generieren und keine Produkte verkaufen. Sie muss informieren.

Trotzdem sehe ich regelmäßig Vereinswebsites mit Slider, Newsletter-Popup, Social-Media-Feed, eingebettetem YouTube-Kanal und einer Fotogalerie mit 300 Bildern vom Vereinsjubiläum. Das Ergebnis: Die Seite lädt langsam, wirkt überladen und die eigentliche Information geht unter.

Eine Vereinswebsite ist ein schwarzes Brett, kein Magazin. Sie soll schnell informieren, nicht lange unterhalten. Wer das akzeptiert, hat die halbe Arbeit schon erledigt.

Mitgliederbereich: Braucht man das?

Manche Vereine wünschen sich einen geschützten Bereich für Mitglieder. Für interne Dokumente, Protokolle, Formulare. Das ist technisch machbar, aber die Frage ist, ob es genutzt wird.

Die ehrliche Antwort: Meistens nicht. Die meisten Vereine organisieren sich über WhatsApp-Gruppen oder E-Mail-Verteiler. Ein Login-Bereich auf der Website klingt nach mehr, wird aber schnell zur Geisterstadt. Wer interne Dokumente teilen will, fährt mit einer geteilten Cloud (Google Drive, Nextcloud) besser als mit einem selbstgebauten Login.

DSGVO für Vereine

Vereine sind keine Ausnahme. Impressum und Datenschutzerklärung sind Pflicht, auch wenn der Verein gemeinnützig ist und kein Geld verdient.

Besonders heikel: Fotos. Wer Bilder von Vereinsmitgliedern auf die Website stellt, braucht deren Einwilligung. Das gilt auch für Mannschaftsfotos und Bilder von Veranstaltungen. Die DSGVO-Grundlagen habe ich in einem eigenen Artikel zusammengefasst.

Was eine Vereinswebsite kostet

Weniger als die meisten denken. Eine saubere, mobilfreundliche Vereinswebsite mit den fünf Pflichtseiten liegt beim Freelancer zwischen 500 und 1.500 Euro. Dazu kommen jährliche Kosten für Domain und Hosting, in der Regel 40 bis 100 Euro pro Jahr.

Baukästen wie Jimdo oder Wix sind eine Alternative, wenn jemand im Verein die Seite selbst pflegen will. Das funktioniert, hat aber Grenzen. Besonders beim Design und bei der Ladezeit.

Was eine Website generell kostet, habe ich detailliert aufgeschlüsselt.

Mobilfreundlichkeit ist Pflicht

Vereinsmitglieder schauen auf dem Handy nach, wann Training ist. Eltern suchen unterwegs nach Sportangeboten für ihre Kinder. Wenn die Seite auf dem Smartphone nicht lesbar ist, verlierst du potenzielle Mitglieder.

Das bedeutet: Keine winzigen Schriften, keine Tabellen, die über den Bildschirmrand hinausragen, keine Buttons, die man mit dem Finger nicht treffen kann. Schnelle Ladezeiten gehören dazu.

Häufig gestellte Fragen

Braucht ein kleiner Verein wirklich eine Website?

Ja. Selbst ein Verein mit 30 Mitgliedern profitiert davon. Neue Interessenten googeln den Vereinsnamen. Wenn nichts kommt, gehen sie zum nächsten Verein. Warum eine Website auch für kleine Organisationen sinnvoll ist, habe ich separat beschrieben.

Reicht nicht eine Facebook-Seite?

Als Ergänzung ja, als Ersatz nein. Eine Facebook-Seite gehört Meta, nicht dem Verein. Du kontrollierst weder das Design noch die Reichweite. Und wer kein Facebook-Konto hat, sieht unter Umständen gar nichts. Warum Social Media kein Ersatz ist, gilt für Vereine genauso wie für Selbständige.

Wer pflegt die Seite, wenn niemand im Verein Ahnung hat?

Das ist die zentrale Frage. Die beste Website nützt nichts, wenn sie nach sechs Monaten veraltet. Es gibt zwei Wege: Entweder der Verein benennt eine Person, die regelmäßig aktualisiert. Oder die Seite wird so gebaut, dass sie wenig Pflege braucht. Feste Trainingszeiten statt Einzeltermine. Kontaktdaten statt Newsbereich.

Was kostet eine Vereinswebsite pro Jahr?

Domain und Hosting zusammen liegen bei 40 bis 100 Euro pro Jahr. Die einmalige Erstellung kommt dazu. Laufende Wartung ist optional, aber sinnvoll. Was Website-Wartung beinhaltet, habe ich in einem eigenen Artikel erklärt.