Die Agentur, in der ich arbeite, läuft auf Microsoft 365. Teams, SharePoint, OneDrive, Word, Excel, PowerPoint. Das ganze Paket. Wie die meisten Büros in Deutschland.
Und ein Teil meiner Arbeit ist diesen Sommer tatsächlich auf einen Windows-Rechner gewandert. Begeistert war ich nicht. Ein Windows-Fan werde ich so schnell nicht.
Aber für Microsoft 365 selbst brauche ich ihn nicht. Den Großteil des Tages arbeite ich am Mac. Und seit diesem Wochenende auf einem alten iMac mit Linux. Ubuntu 24 LTS, um genau zu sein.
Das läuft gut
Fast alles, was ein normaler Agenturtag braucht.
Word, PowerPoint und Outlook laufen auf dem Mac als native Apps. Teams auch. Dateien synchronisiert OneDrive, sie tauchen im Finder auf. Zwei Leute schreiben gleichzeitig im selben Word-Dokument, einer unter Windows, einer am Mac. Klappt.
SharePoint ist sowieso eine Website. Der ist egal, womit ihr sie öffnet.
Ein Detail für den Mac: Das alte Outlook für Mac funktioniert ab diesem Monat nicht mehr mit Microsoft-365-Konten, laut Microsoft. Es geht nur noch mit dem neuen Outlook weiter. Wer noch das alte hat, wechselt besser jetzt.
Bei Texten, Präsentationen, Mails, Chats und geteilten Ordnern ist das Betriebssystem keine Frage mehr.
Mac
Der Mac ist für mich der angenehmere Ort dafür.
Die Apps sehen aus wie Mac-Apps. Sie sind ziemlich gut gestaltet und laufen flüssig. Ich habe mit Microsoft-Apps auf dem Mac sogar deutlich weniger Ärger als mit Microsoft-Apps unter Windows.
Die Hardware passt auch. Leise, schnell, der Akku hält. Der schwere Windows-Rechner im Büro kommt da nicht ran.
Und weil es ein Mac ist, steckt ein Unix-System darunter. Das zählt, wenn ich ohnehin den halben Tag im Terminal sitze.
Das ist meine Vorliebe. Andere sehen das anders. Ist in Ordnung.
Excel ist allerdings ein bisschen chaotisch. Das hatte ich schon in meinem Vergleich der Office-Suiten erwähnt. Power Pivot gibt es auf dem Mac meines Wissens nicht. Kein Datenmodell, kein DAX. Power Query ist da, verbindet sich aber nur mit einer kurzen Liste von Quellen. Und Access gibt es auf dem Mac überhaupt nicht. Das ist das Einzige, wofür ich in der Agentur gerade Windows brauche.
VBA-Makros laufen auf dem Mac. Viele jedenfalls. Manche älteren greifen auf Windows-Bausteine zu und können abbrechen.
Wer beruflich Finanzmodelle in Excel baut, ist hier wahrscheinlich falsch.
Linux kann Microsoft auch
Wer hätte das gedacht?
Ich habe gerade Ubuntu 24.04 LTS auf einem iMac von 2017 installiert. Quad-Core-i7 mit 4,2 GHz, 32 GB RAM, ein 2-TB-Fusion-Drive, eine Radeon Pro 580. Apple hat ihn mit macOS 13 Ventura aufgegeben. Ein paar Jahre ist das her. Wie man einem alten Mac mit Linux ein zweites Leben gibt, hatte ich schon einmal aufgeschrieben.
Mit Ubuntu läuft alles prima. Schnell, flüssig. Keine Probleme.
Natürlich gibt es kein natives Microsoft Office für Linux. Kein Word, kein Excel, kein Outlook. Die Teams-App für Linux hat Microsoft schon im Dezember 2022 eingestellt.
Aber es gibt die Web-Versionen. Die schiebt Microsoft ohnehin nach vorn. Und sie sind ziemlich gut geworden. Mit Microsoft 365 unter Linux zu arbeiten, ist also kein Problem. Brave oder Chromium öffnen, Word, Excel, PowerPoint im Web starten… fertig.
Klingt schlimmer, als es ist. Und es hört nicht bei Office auf.
- Teams und Outlook laufen ebenfalls als Web-Apps. Als PWA (Progressive Web App) kommen sie ins Dock und fühlen sich fast wie native Apps an, mit eigenem Symbol und eigenem Fenster.
- OneDrive- und SharePoint-Dateien synchronisiert abraunegg/onedrive, ein kostenloser Open-Source-Client, der auch SharePoint-Bibliotheken kann. Microsoft selbst bietet keinen an.
- Alles andere, was ich mache, läuft unter Linux sowieso. Git, die GitHub-CLI, Claude Code. Alles nativ.
Eine kleine Lektion aus den ersten Tagen mit dem alten iMac: Snap-Pakete starten auf dem alten Fusion Drive langsam. Die .deb-Versionen nicht. Also installiere ich, wo es geht, .deb.
Die Haken
Excel im Web kann keine VBA-Makros ausführen. Das schreibt Microsoft selbst: Ihr könnt die Datei öffnen und bearbeiten, aber Makros weder erstellen noch ausführen noch ändern. Unter Linux ist die eine komische Makro-Vorlage also eine Sackgasse.
Die Web-Apps brauchen eine stabile Verbindung. Die habe ich.
Ansonsten ist es ziemlich einfach. Ich könnte auch komplett auf Open Source setzen, mit LibreOffice oder OnlyOffice. Aber für Teams mit all den Agentur-Kanälen und der ganzen Kommunikation hätte ich keine Alternative.
Wer wechseln kann
Windows könnt ihr wahrscheinlich weglassen, wenn euer Tag vor allem aus diesem besteht:
- Mails, Chats und Meetings
- Word und PowerPoint
- Excel für Listen, Tabellen und einfache Pivots
- Geteilte Ordner in SharePoint oder OneDrive
Eher nicht, wenn ihr in Power Pivot lebt, VBA schreibt, Access nutzt oder an Windows-only-Add-ins hängt.
Kein Windows-Büro mehr
Eine Microsoft-365-Agentur ist kein Windows-Büro mehr. Muss sie nicht sein.
Der Mac kann fast alles davon. Und ein iMac, den Apple vor ein paar Jahren aufgegeben hat, kann mit Linux auch eine ganze Menge.
Ganz schön viel für einen neun Jahre alten Rechner.