Ein paar Zahlen: Windows unter 60 Prozent. Linux über 10 Prozent in Nordamerika. Windows-Verkäufe 27 Prozent im Minus.
Das sind alles Schlagzeilen aus diesem Jahr. Zusammengenommen sieht es aus, als würden alle gerade die Koffer packen.
Das fände ich gut. Ich habe geschrieben, dass es regelrecht peinlich ist, weiter Windows zu nutzen. Ich bin hier also nicht neutral. Ich verstehe nicht, warum sich Leute freiwillig für Windows entschieden haben.
Aber schauen wir uns die Zahlen an. Denn die meisten sagen nicht, was die Schlagzeilen sagen.
Unter 60
Im Juni lag der Windows-Marktanteil laut StatCounter unter 60 Prozent der Desktops weltweit. Zum ersten Mal seit Jahren.
Dann hat StatCounter die Daten korrigiert. Derselbe Juni steht jetzt bei 72 Prozent.
Das ist also nie passiert.
Über 10
Als Nächstes der Juli. Linux-Marktanteil über 10 Prozent der Desktops in Nordamerika. Das lief groß auf Reddit und Hacker News.
Dann der August, laut StatCounter: 15,65 Prozent.
Dann der September: 3,53 Prozent.
Millionen Nordamerikaner haben also im Sommer Linux installiert und sind im Herbst zu Windows zurück. Klar.
StatCounter zählt Seitenaufrufe, nicht Menschen oder PCs. Und im Netz sind inzwischen viel mehr Bots unterwegs. Windows Latest hat sich die Daten von Cloudflare für Nordamerika angeschaut, wo man die herausfiltern kann. Mit Bots lag Linux bei rund 16 Prozent. Nur menschlicher Verkehr: rund 4,7 Prozent. Windows um die 65, macOS um die 28.
Ja, die Seite heißt Windows Latest. Aber das sind Cloudflares Zahlen.
Die große Linux-Welle im Sommer 2026 waren also wohl zu großen Teilen KI-Bots, die durchs Netz surfen. Oder zumindest ein Faktor.
Steam
Valves Hardware-Umfrage ist eine andere Art von Zahl. Sie schaut auf die PCs von Leuten, die auf Steam spielen und mitmachen.
Oktober 2026: Windows 93,70 Prozent. Linux 3,95. macOS 2,35.
Ein Jahr zuvor hatte Linux gerade die 3 Prozent geknackt, und Windows lag bei 94,84. Das ist also Wachstum. Knapp ein Punkt in einem Jahr.
Und einen guten Teil dieses Wachstums macht das Steam Deck aus, das ab Werk mit Linux kommt. Dafür musste niemand Windows löschen.
Geld
Microsofts Umsatz mit Windows OEM und Geräten ist im letzten Quartal um 22 Prozent gefallen. Windows OEM allein, also was PC-Hersteller für Lizenzen zahlen, um 27 Prozent. Fürs nächste Quartal erwartet Microsoft bei OEM und Geräten ein Minus um die Mitte 30 Prozent.
Microsoft nennt drei Gründe: den Ansturm im letzten Jahr, als der Support für Windows 10 endete, PC-Hersteller, die ihre Lager abbauen, und schwache PC-Nachfrage. Klar.
Und der ganze Markt ging runter. Laut IDC sanken die PC-Auslieferungen im dritten Quartal um 20,1 Prozent, auf 62,7 Millionen. HP verlor 30,9 Prozent. Die Speicherpreise sind ein großer Teil davon. RAMaggedon.
Macs gingen auch runter. 5,9 Millionen, minus 11,3 Prozent. Also auch Apple.
Generell kaufen weniger Leute Computer. Egal welche.
Immer noch da
Satya Nadella hat Anfang des Jahres gesagt, dass Windows 11 die Marke von einer Milliarde Nutzern geknackt hat. Schneller als Windows 10. Ich meine, sie haben das ja irgendwie erzwungen… aber gut.
Und rund 25 Prozent der Windows-Desktops laufen noch mit Windows 10. Mehr als ein Jahr, nachdem der kostenlose Support endete. (Wieder StatCounter, also… ungefähr.)
Die sind nicht gegangen. Die sind nicht mal umgezogen.
Wohin
Manche gehen natürlich. Gott sei Dank. Zwei Ziele.
Linux. Zorin OS 18 hat 2 Millionen Downloads in unter drei Monaten erreicht, mehr als drei Viertel davon von Windows. Das sind Downloads, keine Installationen, und Zorins eigene Zahlen. Aber ich mag Zorin. Wir haben es auf den Mac meines Vaters gepackt. Es ist super. Andere Linux-Distros natürlich auch, etwa Ubuntu, Linux Mint, CachyOS, Pop OS und so weiter.
Mac. Apples Anteil stieg laut IDC im dritten Quartal von 8,5 auf 9,5 Prozent. Bei weniger ausgelieferten Macs. Das heißt: Die anderen fallen schneller, Apple gewinnt nicht unbedingt…
Dann sind da noch Regierungen und Behörden. Frankreich, der Internationale Strafgerichtshof, Schleswig-Holstein, wo ich wohne. Viele wechseln von Windows zu Linux. Das ist mir wichtig. Aber es ist ein kleines Stück von einer Milliarde.
Ein Haken ist immer dabei
Niemand zählt Leute, die ein Betriebssystem verlassen. Alles hier ist eine Hilfsgröße: Seitenaufrufe, eine Umfrage unter Gamern, Umsatz.
Microsoft hat die bessere Zahl. Und teilt sie, wenn sie gut ist. Verständlich.
Außerdem geht das langsam. So langsam… Niemand tauscht jedes Jahr den Computer, so ein Wandel zeigt sich also womöglich sehr spät.
Unterm Strich
Verlassen also alle Windows? Nein. Überhaupt nicht.
Linux legt etwas zu. Mac legt etwas zu, beim Anteil. Windows liegt weiter bei rund drei Vierteln der Desktops.
Und ich kann nicht viel sagen. Im Mai habe ich geschrieben, dass ich es nie wieder nutze, und dann wanderte ein Teil meiner Arbeit auf einen Windows-Rechner. Unfreiwillig nutzen Leute Windows. Die, die es sich aussuchen, verstehe ich immer noch nicht… aber gut.
Seid ihr gegangen?
Zuerst auf Englisch erschienen: Medium