Letzten Monat habe ich Ubuntu auf meinen iMac von 2017 gebracht. Zu neueren Macs schrieb ich nur einen Satz: „Macs mit Apple-Chip, also M1 und neuer, sind eine andere Geschichte.“

Jetzt ist Omarchy Linux 4.5 erschienen. Das ist die Linux-Distribution von DHH, dem Erfinder von Ruby on Rails. Und sie installiert sich jetzt auf Apple-Silicon-Macs. Über eine App in macOS. Oder mit einer Zeile Homebrew:

brew install omacom/mac/omarchy

Kein USB-Stick. Kein Festhalten der Wahltaste beim Start.

Installation

Auf meinem iMac hat Claude Code den Ubuntu-Installer auf einen USB-Stick geschrieben. Ich habe beim Start die Wahltaste gedrückt, um davon zu booten. Dann bin ich einem WLAN-Treiber hinterhergelaufen. Natürlich.

Auf einem Apple-Silicon-Mac läuft der Omarchy-Installer direkt in macOS. Er braucht macOS 15 oder neuer, verkleinert die macOS-Partition, legt eine eigene an und lädt mehrere Gigabyte herunter. Der Installer empfiehlt, macOS rund 38 GB freien Platz zu lassen. Das Handbuch sagt mindestens 50 GB, bequem sind 100 GB.

Der letzte Schritt passiert in der macOS-Wiederherstellung. Ihr fahrt den Mac herunter, haltet den Einschaltknopf gedrückt, wählt Omarchy und meldet euch mit eurem macOS-Passwort an. Dieser Schritt senkt die Sicherheitsstufe für das Omarchy-Volume, so wie es auch Asahi Linux macht. macOS behält seine eigene Einstellung.

Danach könnt ihr beim Start mit gedrücktem Einschaltknopf zwischen macOS und Omarchy wählen. Die Wahltaste von Apple Silicon, sozusagen.

Noch etwas aus dem Installer: „Your first-boot password encrypts Omarchy. Keep it safe: there's no recovery key.“ Das Passwort beim ersten Start verschlüsselt Omarchy, und einen Wiederherstellungsschlüssel gibt es nicht.

Also: aufschreiben.

Die Liste

Der Release-Post nennt „M1/M2/M3/Neo MacBooks“. Die Liste im Installer ist länger. Sie umfasst auch die Desktop-Macs mit M1 und M2, vom Mac mini bis zum Mac Studio, sogar den Mac Pro mit M2. Dazu iMac, MacBook Air und MacBook Pro mit M3.

Nicht dabei: der Mac Studio mit M3 Ultra. Und alles mit M4, M5 oder M6. Daran werde „gerade gearbeitet“, schreibt das Team. Ein Datum gibt es nicht.

Aber das MacBook Neo. Apples Laptop für 599 Dollar läuft mit dem A18 Pro, einem iPhone-Chip. Der Asahi-Installer unterstützt ihn noch gar nicht.

In meinem Artikel „Do NOT Buy the MacBook Neo“ schrieb ich: „Want a dedicated Linux machine? Also valid. Buy a Framework or a TUXEDO instead.“ Wer einen reinen Linux-Rechner will, greift also besser zu einem Framework oder einem TUXEDO.

Jetzt steht das Neo auf der Liste von Omarchy. Ziemlich cool!

Asahi

Das meiste davon baut auf Asahi Linux auf. Das Community-Projekt entschlüsselt Apple Silicon seit Jahren und hat 2022 seine erste Alpha veröffentlicht.

Omarchys eigenes Handbuch sagt es klar: „Omarchy does not reimplement Apple's boot process: APFS resizing, partition creation, m1n1, the boot policy and recoveryOS remain the Asahi project's work.“ Den Startvorgang hat Omarchy also nicht neu gebaut. Der bleibt die Arbeit von Asahi.

Der Kernel ist allerdings ein anderer. Omarchy nutzt den Aurora-Kernel, und dessen Bootloader, Kernel, U-Boot und Installer haben laut Aurora als Forks dieser Arbeit angefangen.

Asahi selbst hat im September M3 dazubekommen. Mit Lücken: Der Ruhezustand geht nicht, der HDMI-Anschluss ist abgeschaltet, die GPU ist nicht fertig, und der M3 Ultra wird nicht unterstützt.

Das Ziel des Omarchy-Teams für den Mac, in ihren Worten: „finish what Asahi started“. Zu Ende bringen, was Asahi angefangen hat.

Hardware

Das Team testet jede Version auf zwei Referenz-Macs, einem 14-Zoll-MacBook-Pro mit M1 Pro und einem 16-Zoll-MacBook-Pro mit M2 Max. Darauf funktionieren laut Handbuch: GPU-Beschleunigung, Lautsprecher, Mikrofon, Kamera, Akku und externe Displays über HDMI, USB4 und DisplayPort.

Der Ruhezustand geht auch. Meistens. Ein Tastendruck weckt den Mac nicht. Ihr müsst den Deckel öffnen oder den Einschaltknopf drücken.

Noch nicht dabei:

Jeder andere zugelassene Mac soll laut Handbuch genauso funktionieren. Soll.

Agenten

Die Mac-Portierung startete im September als „Omarchy M“. Die Ankündigung beschreibt das Team als „Fifteen people who didn't wait for permission, and who've been using agents to move at a pace that would have seemed absurd a year ago.“ Fünfzehn Leute, die nicht auf Erlaubnis gewartet haben und mit KI-Agenten ein Tempo vorlegen, das vor einem Jahr absurd gewirkt hätte.

Das sieht man im Code. Rund 130 Commits im Mac-Installer tragen die Zeile „Co-Authored-By: Claude“. Wahrscheinlich mehr, denn nicht jeder KI-gestützte Commit sagt das dazu.

Asahi ging den anderen Weg. Im September hat das Projekt seine KI-Regeln verschärft. Wer ein Sprachmodell nutzt, um einen Trace aus dem m1n1-Hypervisor auszuwerten, bekommt „a first and final warning“. Eine erste und letzte Verwarnung.

Ich baue selbst viel mit Claude Code. Und in meinem Artikel über Vibe-Coding schrieb ich, dass ich heute viel vorsichtiger bin, wenn eine App „mein System grundlegend“ verändert.

Ein Installer, der eure Festplatte verkleinert und die Startrichtlinie ändert, ist so eine App.

Nachteile

Die Listen passen nicht zusammen. Der Release-Post nennt M3 und Neo. Der Installer markiert die M3-Macs und das Neo als ungetestet. Und die Hardware-Seite im Handbuch, zuletzt am 31. Oktober bearbeitet, sagt noch „M1 and M2 Macs only“. Getestet hat das Team also M1 und M2. Der Rest ist ein Testlauf auf eurem Mac.

Keine Macs mit M4, M5 oder M6. Auch kein Datum.

Kein Wiederherstellungsschlüssel. Verliert ihr das Passwort vom ersten Start, kommt ihr nicht mehr an die Omarchy-Seite.

Und Omarchy hat Kritiker. The Register schreibt: „The project, like the man behind it, is controversial.“ Das Projekt sei umstritten, wie der Mann dahinter. Ein dort zitiertes Blog geht weiter: „Do NOT use Omarchy if you care about security of your machine even a little bit.“

Dazu ist Omarchy ein eigenwilliges Setup auf Arch Linux mit Tiling-Fenstermanager. Version 4.5 bringt einen klassischen Desktop-Modus mit, aber gebaut ist Omarchy vor allem für Leute, die gern mit der Tastatur arbeiten.

Unterm Strich

Vor einer Woche war Linux auf einem neueren Mac für mich „eine andere Geschichte“. Jetzt ist es eine App und eine Zeile Homebrew. Zumindest auf M1 und M2.

Würdet ihr es auf euren Mac packen?

Zuerst auf Englisch erschienen: Medium