Ich arbeite selbst auf einem Mac. Aber jede Website, die ich baue, läuft auf einem Linux-Server, und für viele kleine Betriebe ist Linux auch auf dem Schreibtisch die bessere Wahl, als die meisten denken. Günstiger, datensparsamer, und es hält alte Rechner am Leben. Ob sich der Umstieg für dich lohnt, hängt von ein paar konkreten Dingen ab. Hier mein Blick darauf, mit den Vorteilen und den Stellen, an denen es klemmt.
Null Lizenzkosten
Linux ist kostenlos. Kein Kaufpreis, keine Lizenz pro Gerät, kein Abo. Du lädst es herunter, installierst es auf so vielen Rechnern du willst, und zahlst nichts.
Dazu kommt das Office-Thema. Microsoft 365 Business Standard kostet rund 13 € pro Nutzer und Monat, also etwa 150 € im Jahr pro Arbeitsplatz. Die abgespeckte Basic-Variante liegt bei rund 6,50 € im Monat. Und zum 1. Juli 2026 zieht Microsoft die Preise noch einmal an. Auf Linux nutzt du LibreOffice oder OnlyOffice, beide kostenlos, beide öffnen und speichern Word- und Excel-Dateien.
Rechne das auf mehrere Arbeitsplätze und ein paar Jahre hoch. Da kommt Geld zusammen, das du nicht für Software ausgeben musst.
Deine Daten bleiben deine Daten
Windows schickt heute standardmäßig Telemetrie an Microsoft. macOS hängt tief in Apples Cloud. Bei Linux entscheidest du, was nach außen geht, und in der Grundeinstellung geht fast nichts.
Für ein Unternehmen ist das mehr als ein Gefühl. Wenn du mit Kundendaten arbeitest, bist du für deren Schutz verantwortlich. Ein Betriebssystem, das im Hintergrund Daten in die USA überträgt, macht diese Verantwortung nicht leichter. Das Thema digitale Unabhängigkeit habe ich im Artikel zur digitalen Souveränität ausführlicher behandelt.
Das passt zu einem größeren Muster. Wer seine Website-Statistik ohne Google auswertet und Dateien in offenen Formaten speichert, macht sich Stück für Stück unabhängiger von einzelnen US-Konzernen. Linux ist dabei das Fundament.
Alte Rechner werden wieder schnell
Windows 11 hat viele funktionierende Geräte über Nacht zu Alteisen erklärt, weil ihnen ein bestimmter Chip fehlt. Linux läuft auf genau dieser Hardware oft noch jahrelang flüssig.
Ein alter Laptop, der unter Windows kaum noch zu gebrauchen ist, wird mit einer schlanken Linux-Distribution oft wieder zum brauchbaren Arbeitsgerät. Für einen Betrieb, der nicht alle drei Jahre neue Rechner kaufen will, ist das ein echter Hebel. Weniger Elektroschrott noch dazu.
Die Grenzen
Linux ist nicht für jeden Betrieb die richtige Wahl. Drei Punkte sprechen oft dagegen.
- Branchensoftware. Viele spezielle Programme, etwa für Steuerberatung, Handwerk oder Warenwirtschaft, gibt es nur für Windows. Manches läuft über Umwege, vieles nicht. Das ist der häufigste Grund, warum ein Umstieg scheitert.
- Adobe. Photoshop, Illustrator und InDesign laufen nicht nativ auf Linux. Wer täglich damit arbeitet, hat es schwer. Für die meisten reichen aber Alternativen zu Adobe, die es auch für Linux gibt.
- Die Lernkurve. Vieles ist anders, nicht schwerer. Aber anders. Wer seit zwanzig Jahren Windows klickt, braucht ein paar Wochen, bis die neuen Wege selbstverständlich sind.
Mein Rat: Prüf zuerst, ob deine wichtigste Software läuft. Wenn ja, ist der Rest meistens kein Problem. Wenn nein, lass es oder halte einen einzelnen Windows-Rechner für genau diese eine Aufgabe bereit.
Mint und Zorin für den Anfang
Du musst dich nicht durch Dutzende Varianten kämpfen. Für den Anfang reichen zwei.
Linux Mint sieht aus und funktioniert ähnlich wie Windows. Startmenü unten links, Fenster, Papierkorb. Wer von Windows kommt, findet sich schnell zurecht. Zorin OS geht in dieselbe Richtung, noch etwas mehr auf Umsteiger zugeschnitten, und lässt sich optisch sogar an Windows oder macOS angleichen.
Beide kannst du vorher von einem USB-Stick starten und ausprobieren, ohne etwas auf dem Rechner zu verändern. Erst wenn es passt, installierst du. So riskierst du nichts.
Häufig gestellte Fragen
Ist Linux für Unternehmen sicher?
Ja. Linux gilt als sehr sicher, unter anderem weil deutlich weniger Schadsoftware dafür im Umlauf ist und Sicherheitsupdates schnell kommen. Ein großer Teil der Server weltweit läuft aus genau diesem Grund auf Linux.
Kann ich unter Linux Word- und Excel-Dateien öffnen?
Ja. LibreOffice und OnlyOffice öffnen und speichern die gängigen Microsoft-Formate. Bei sehr komplexen Layouts kann es kleine Abweichungen geben, für normale Dokumente, Tabellen und Angebote funktioniert es zuverlässig.
Was kostet Linux wirklich?
Das Betriebssystem selbst kostet nichts. Kosten entstehen höchstens, wenn du jemanden für die Einrichtung bezahlst oder eine Windows-Software durch eine kostenpflichtige Alternative ersetzt. Über die Jahre sparst du in der Regel deutlich mehr, als die Umstellung kostet.
Läuft meine Branchensoftware unter Linux?
Das ist die entscheidende Frage, und sie lässt sich nur konkret beantworten. Schau auf der Website des Herstellers nach Linux-Unterstützung oder einer Web-Version. Gibt es beides nicht, ist ein vollständiger Umstieg schwierig.
Für welchen Betrieb lohnt sich der Umstieg am ehesten?
Für alle, die hauptsächlich mit Office, E-Mail, Browser und ein paar Standardprogrammen arbeiten. Also für einen großen Teil der Selbständigen und kleinen Dienstleister. Je spezieller deine Software, desto eher bleibst du bei Windows.