Fast jeder, der eine neue Website bekommt, fragt irgendwann: Wie viele Besucher hatte ich gestern? Die Standardantwort der Branche heißt Google Analytics. Kostenlos, mächtig, Standard. Aber auch: Cookie-Banner-Pflicht, Datenübertragung in die USA, rechtlich in der Grauzone. Und ehrlich gesagt für die meisten Selbständigen viel zu viel.
Warum Google Analytics ein Problem ist
Google Analytics speichert Cookies, trackt Nutzer über Sessions hinweg und überträgt die Daten an Google-Server in den USA. Der Europäische Gerichtshof hat 2020 mit dem Schrems-II-Urteil festgestellt, dass diese Übertragung ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen nicht DSGVO-konform ist. Mehrere Datenschutzbehörden in Europa, darunter die österreichische, haben den Einsatz von Google Analytics seither explizit als unzulässig eingestuft.
Seit dem EU-U.S. Data Privacy Framework 2023 ist die Lage etwas entspannter, aber nicht sicher. Rechtssicherheit sieht anders aus. Und selbst wenn alles rechtlich in Ordnung wäre: Du brauchst trotzdem einen Cookie-Banner, eine angepasste Datenschutzerklärung und einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit Google.
Für einen kleinen Firmenblog oder eine Selbständigen-Website ist das viel Aufwand für Zahlen, die die meisten ohnehin nur einmal im Monat anschauen.
Was du wirklich messen willst
Die ehrliche Frage: Was willst du eigentlich wissen? Meistens läuft es auf ein paar simple Zahlen hinaus.
- Wie viele Besucher kamen diese Woche?
- Welche Seiten werden aufgerufen?
- Woher kommen die Besucher? Google, Instagram, direkt?
- Handy oder Desktop?
- Wie viele haben auf "Kontakt aufnehmen" geklickt?
Google Analytics liefert das auch, vergräbt die Antworten aber unter Demografie, Kohortenanalyse und 20 Menüpunkten. Die Alternativen liefern genau diese Antworten, nichts mehr. Das ist kein Nachteil. Das ist das Feature.
Plausible
Plausible ist aus Estland, Open Source und seit Jahren mein Favorit für Kundenprojekte. Das Dashboard passt auf eine einzige Seite. Keine Cookies, keine Einwilligung nötig, Daten auf europäischen Servern. Der Tracking-Code ist unter einem Kilobyte groß, Ladezeiten bleiben unbeeinflusst.
Preis: ab 9 Dollar pro Monat für bis zu 10.000 Seitenaufrufe. Für die meisten Selbständigen reicht das mit großem Abstand.
Vorteile: Extrem schnelles Dashboard, exzellente Benutzeroberfläche, DSGVO-konform ohne Klimmzüge, Goals und Conversions einfach einrichtbar. Nachteile: Kostenpflichtig, weniger Detailtiefe als Matomo.
Matomo
Matomo, früher Piwik, ist der Matomo. Open Source, in Europa entwickelt, und wenn du willst, auf deinem eigenen Server installierbar. Bei Selbst-Hosting bleiben alle Daten bei dir, kein externer Dienstleister. Wer den Aufwand scheut, kann auch die Cloud-Version nutzen.
Preis: Selbst-Hosting kostenlos, Cloud ab 19 Euro pro Monat. Ein guter Webhoster bietet Matomo oft als Ein-Klick-Installation. All-Inkl zum Beispiel hat das im Angebot.
Vorteile: Mächtigster Funktionsumfang der datenschutzfreundlichen Alternativen, Selbst-Hosting möglich, Kohorten- und Funnel-Analysen. Nachteile: Komplexere Oberfläche, beim Selbst-Hosten muss man sich um Updates kümmern, Cookie-Banner nötig bei Standardeinstellungen (lässt sich abstellen).
Fathom
Fathom ist der amerikanische Mitbewerber zu Plausible. Auch Cookie-frei, auch DSGVO-konform, auch schlank im Dashboard. Für deutsche Kunden ist es wegen des US-Serverstandorts aber weniger ideal als Plausible. Wer international unterwegs ist, findet hier eine gute Alternative.
Preis: ab 15 Dollar pro Monat. Sieben Tage kostenlos testbar.
Vorteile: Minimalistisches Dashboard, Fokus auf das Wesentliche. Nachteile: Server in den USA, teurer als Plausible, weniger Features als Matomo.
Die beste Analyse ist die, in die du tatsächlich reinschaust. Ein simples Dashboard, das du einmal die Woche öffnest, ist mehr wert als Google Analytics, das du seit zwei Jahren ignorierst.
Was ich meinen Kunden empfehle
Für 90 Prozent meiner Kunden ist die ehrliche Antwort: gar nichts. Wer eine Selbständigen-Website mit 200 Besuchern pro Monat betreibt, lernt aus Analytics-Zahlen nichts, was er nicht ohnehin schon weiß. Die meisten Anfragen entstehen über Empfehlung oder einen direkten Google-Treffer, und ob das jetzt 180 oder 220 Besucher waren, ist irrelevant.
Webserver-Logfiles zeigen, welche Seiten aufgerufen wurden, ganz ohne Cookies und ohne JavaScript. Das reicht für einen Überblick.
Wer echte Analyse will, bekommt Plausible. Klein, sauber, ohne Banner. Für Kunden mit eigenem Hosting oder starken Datenschutz-Anforderungen ist Matomo Self-Hosted die richtige Wahl.
Was du dabei über dich selbst lernen kannst
Wer ehrlich mit Analytics umgeht, lernt schnell: Die meisten Seiten werden kaum besucht. Der Blog, den du einmal pro Monat schreibst, hat vielleicht 30 Aufrufe im Monat. Das ist nicht schlimm. Das ist die Realität der meisten Websites.
Interessant wird es, wenn du anfängst, einzelne Seiten gezielt zu optimieren. Welcher Blog-Artikel zieht organischen Traffic? Welche Leistungsseite führt zu Kontaktanfragen? Welche Meta-Title bekommen mehr Klicks? Dafür braucht es einfache Zahlen, keine Big-Data-Suite.
Der Umstieg von Google Analytics
Wer bereits Google Analytics eingebaut hat, kann parallel umstellen. Das neue Tool installieren, zwei Wochen mitlaufen lassen, Zahlen vergleichen. Danach Google Analytics entfernen, den alten Tracking-Code aus der Seite streichen, Datenschutzerklärung anpassen und den Cookie-Banner, sofern der nur wegen Analytics da war.
Die Seite wird dabei messbar schneller. Google Analytics lädt mehrere Skripte nach, die Alternativen meist nur ein kleines. Das wirkt sich auf die Core Web Vitals aus.
Was mit historischen Daten passiert
Die bestehenden Daten in Google Analytics bleiben dort, solange der Account aktiv ist. Wenn du endgültig umsteigen willst, kannst du die Daten exportieren und archivieren. Für die meisten Selbständigen ist das allerdings unnötig. Die alten Zahlen sind nicht mehr vergleichbar mit dem neuen Tool, und die Insights aus drei Jahre alten Besucherzahlen sind begrenzt.
Häufig gestellte Fragen
Ist Google Analytics 2026 wieder legal?
Jein. Mit dem EU-U.S. Data Privacy Framework ist die Datenübertragung in die USA grundsätzlich möglich, aber Datenschützer sehen das weiterhin kritisch. Rechtssicher ist das nicht, und der Cookie-Banner bleibt Pflicht.
Kann ich Plausible selbst hosten?
Ja. Plausible ist Open Source und kann auf einem eigenen Server installiert werden. Für die meisten Nutzer ist die Cloud-Version aber einfacher und wirtschaftlicher.
Reichen Webserver-Logs nicht auch?
Für einen groben Überblick ja. Webserver-Logs zeigen Aufrufe, Herkunft und Browser. Was sie nicht zeigen: Events, Goals, Unique Visitors nach Cookie-Logik. Für einen kleinen Blog reicht das aber oft.
Funktionieren diese Tools mit WordPress?
Ja. Plausible und Matomo haben WordPress-Plugins, die die Einbindung in wenigen Klicks erledigen. Alternativ lässt sich der Tracking-Code manuell ins Theme einfügen.
Was ist mit Google Search Console?
Search Console ist etwas anderes als Analytics. Sie zeigt, wie deine Seite in der Google-Suche erscheint, welche Keywords zu Klicks führen und ob es technische Probleme gibt. Das ist kostenlos, DSGVO-konform und für SEO unverzichtbar. Parallel zu Plausible oder Matomo sehr sinnvoll.