Ein KI-Tool zu wählen sollte inzwischen einfacher sein. Ist es nicht.
Claude kann etwas, das ChatGPT nicht kann. ChatGPT hat etwas, das Gemini nicht hat. Und Gemini hat etwas, das die anderen beiden gern hätten.
Die Modelle liegen inzwischen ziemlich dicht beieinander. Unterschiedlich ist alles drumherum. Und genau das macht die Wahl so schwer.
Claude
Claude hat Claude Design. Und ich liebe es.
Ihr gebt ihm einen Prompt, ein Dokument oder eine Codebasis, und es baut Folien, Prototypen und One-Pager. Dann exportiert ihr nach Canva (per MCP), als PDF, als PPTX oder als reines HTML.
Es ist ein ziemlich starkes Werkzeug, um Design-Sachen in Code zu bauen und an Canva oder was auch immer als Nächstes kommt weiterzureichen. Soweit ich weiß, hat ChatGPT nichts Vergleichbares.
Claude Cowork ist der Agent für Arbeit, die kein Code ist. Statusberichte, Tabellen, Checklisten.
Auf der anderen Seite kann Claude keine Bilder erzeugen. Anthropic schreibt im Hilfecenter klar, dass Claude Fotos und Illustrationen nicht so erzeugt, wie es Bildgeneratoren tun. Diagramme und Grafiken in HTML und SVG, ja. Ein Bild, nein.
Für ein Design-Werkzeug ist das ein großes Loch. Claude Design kann die ganze Seite layouten. Das Bild, das hineingehört, kann es nicht machen.
Das lässt sich mit einem Tool wie Higgsfield über MCP ergänzen. Das funktioniert. Kostet aber extra zum Abo.
Bei Video geht Anthropic von einer anderen Seite heran. Claude Motion ist am 8. Oktober gestartet, als Beta für Team und Enterprise. Claude schreibt Code, der Text, Diagramme und Bilder animiert, und ihr ladet ein MP4 herunter. Für erzeugtes Filmmaterial exportiert ihr zu Runway. Also kein generiertes Video. Zumindest noch nicht.
ChatGPT
ChatGPT hat die Bilder. Direkt im Chat erzeugt, und sie sind inzwischen ziemlich gut.
Dann gibt es Sites. Ihr beschreibt eine Website, eine Web-App oder ein Spiel, und ChatGPT baut sie, hostet sie und gibt euch eine URL. Es ist in der öffentlichen Beta für Plus und höher, mit Datenbank und Dateispeicher. Für eine schnelle Seite oder ein kleines Tool ist das eine gute Option. Für Shops eher nicht. Laut OpenAI-Doku sollt ihr mit Sites keine Zahlungskartendaten verarbeiten und keine Finanztransaktionen abwickeln.
Dazu kommt ChatGPT Work, OpenAIs Version von Cowork. Es ist am 9. Juli gestartet, ein Agent, der über eure Apps und Dateien arbeitet und Dokumente, Tabellen, Präsentationen und Websites baut.
Was ChatGPT nicht hat, ist Video. Es hatte mal Sora. OpenAI hat die App im April und die API im September eingestellt. Wollt ihr Video, geht ihr woanders hin.
Und beim Schreiben klingt ChatGPT immer noch mehr nach KI als Claude.
Gemini
Gemini hat Google. Gmail, Docs, Sheets, Drive, die Suche. So tief steckt sonst niemand in alldem. Wenn euer Alltag in Google stattfindet, ist das ein großes Plus.
Dazu kommt das Video. Gemini Omni Flash erstellt und bearbeitet Clips direkt in der Gemini-App, für Abonnenten von AI Plus, Pro und Ultra. Von den dreien ist Gemini das einzige, das überhaupt Video erzeugt.
Schwächer ist Gemini bei den Agenten. Claude hat Cowork. ChatGPT hat Work. Googles Antwort ist Spark, ein Agent im Hintergrund. Aber Spark gibt es in Europa nicht.
Und beim Programmieren, vor allem bei größeren, unübersichtlichen Projekten, ist Gemini nicht stark. Claude Code und Codex sind weiter vorn. Noch.
Gemini 4 könnte einiges davon ändern. Google hat Gemini 4 Argon am 30. September angekündigt und sagt, es erreiche einen neuen Bestwert bei DeepSWE, einem Benchmark für Software-Engineering. Mal sehen.
Perplexity und andere
Perplexity ist der Spezialist. Suche mit Quellen ist stark. Und ihr könnt das Modell darunter wählen.
Als Hauptwerkzeug fällt es aber zurück. Deutlich. Perplexity hat zwar eigene Modelle (Sonar), doch das Angebot an Werkzeugen ist schmaler als bei Claude, ChatGPT oder Google.
Bei den meisten anderen Namen ist es ähnlich. Grok, Mistral, Cursor, GLM, die chinesischen Modelle: Ich habe sie im September durchgesprochen. Viele sind bei einer Sache sehr gut. Wenige decken die ganze Breite ab.
Preise
Claude Pro, ChatGPT Plus und Google AI Pro kosten laut Preisliste jeweils rund 20 Dollar im Monat (US-Listenpreise, Stand Oktober 2026). Alle drei zusammen: etwa 60. Kommt Perplexity Pro dazu, ebenfalls 20, seid ihr bei 80.
Und viele der Funktionen oben fangen erst bei diesen Tarifen an. Sites ab Plus. Spark ab Pro. Wer viel nutzt, landet schnell bei den Tarifen für 100 oder 200 Dollar.
Nachteile
Vieles von dem, was ich beschrieben habe, ist noch Beta oder Preview. Claude Motion ist eine Beta. Sites ist in der öffentlichen Beta. Gemini 4 ist für die meisten noch nicht da. So etwas ändert sich. Oder verschwindet. Sora ist das Beispiel.
Dann die EU. Spark ist nicht das einzige. Neue Funktionen kommen oft zuerst in den USA an und erreichen uns später.
Und mit jedem Tool, das ihr dazunehmt, liegt euer Kram an mehr Orten. Chats, Dateien, Projekte. Verteilt auf drei oder vier Anbieter.
Außerdem kann sich jede dieser Lücken schon nächsten Monat schließen.
Unterm Strich
Kein Tool kann alles. Ich glaube nicht, dass es bald eins geben wird.
Das macht mich ehrlich gesagt verrückt. Euch auch?
Zuerst auf Englisch erschienen: Medium