Am 28. Oktober hat Alphabet die Zahlen fürs dritte Quartal vorgelegt. Umsatz plus 25 Prozent. Google Cloud hat sich mehr als verdoppelt.
Am Tag danach fiel die Aktie um rund 13 Prozent. Der schlechteste Tag seit Googles Börsengang 2004. Rund eine halbe Billion Dollar Börsenwert.
Einer der Gründe steckt in einem einzigen Satz aus der Telefonkonferenz mit den Analysten. Es geht um den KI-Modus.
Die Zahlen
Alphabet hat im Quartal 127,6 Milliarden Dollar umgesetzt. Google Cloud: 30,7 Milliarden, plus 103 Prozent.
Die Suche brachte 63,4 Milliarden Dollar, plus 12 Prozent. Als ich im August gefragt habe, ob Google in Schwierigkeiten steckt, wuchs die Suche noch um 17 Prozent.
Und die Ausgaben… 51,4 Milliarden Dollar für Rechenzentren und Chips. In einem Quartal.
Alphabet hat 9,1 Milliarden Dollar mehr ausgegeben, als an Geld hereinkam. Das zweite Quartal in Folge.
Der KI-Modus
In der Telefonkonferenz fragte ein Analyst, warum die Suche langsamer gewachsen ist. Googles Chief Business Officer nannte zuerst die Wechselkurse, „the single largest driver“. Dann ein paar Effekte in einzelnen Branchen.
Und dann das:
„…the strong growth in AI Mode queries had an impact because of the lower monetization we were seeing in AI Mode.“
Auf Deutsch: Viele nutzen den KI-Modus. Und der KI-Modus bringt Google pro Suche weniger Geld als die klassische Ergebnisseite.
Er schob nach, man fühle sich mit der Entwicklung „very good“.
Der KI-Modus antwortet mit einem ganzen Text statt mit zehn Links. Die Anfragen dort sind laut Google im Schnitt dreimal so lang. Weniger Platz für Anzeigen, vermute ich. Zumindest bisher.
Mehr Werbung
Die Lösung kam am selben Tag…
Google bringt Anzeigen im KI-Modus in zehn weitere Länder, von Australien und Kanada bis Indien und Singapur. Brasilien, Mexiko und Großbritannien folgen im vierten Quartal.
In den USA erscheinen Anzeigen jetzt auch bei Folgefragen im KI-Modus. Markiert als „Sponsored“.
Laut Google werden diese gesponserten Produkteinträge etwa so oft angeklickt wie die normalen daneben. Interne Zahlen, natürlich.
Und Werbetreibende können diese KI-Plätze nicht abwählen. Ihre Anzeigen können dort so oder so landen.
In der EU aber nicht. Den KI-Modus gibt es in Deutschland seit Oktober 2025. Anzeigen darin? Keine angekündigt. Vor einem Jahr hieß es von Google, man habe keine Pläne bekannt gegeben, Anzeigen im KI-Modus in die EU zu bringen.
Ich sitze in Deutschland. Im KI-Modus ändert sich für mich also gerade nichts. Wie schon bei Gmail-Daten in der Google-Werbung bleibt Europa vorerst außen vor.
Die Klicks
Die Google-Suche ist für mich weiter die größte Quelle für Leser. SEO schlägt jeden Social-Feed, den ich ausprobiert habe.
In der Telefonkonferenz sagte Google kein Wort zu Websites oder Klicks. Soweit ich sehe.
Andere Zahlen schon. Chartbeat hat bei Verlagen 40 Prozent weniger Besuche über die Google-Suche gemessen, Juli 2026 im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem Nachrichtenseiten. Und Chartbeat sagt nicht, dass das alles an der KI liegt.
Werden Anzeigen in der KI-Antwort etwa so oft angeklickt wie die Links, bekommen die Links mehr Konkurrenz. Und sie rutschen weiter nach unten. So meine Vermutung.
Fairerweise
Die Wechselkurse waren der größte Grund für das schwächere Wachstum. Google hat sie zuerst genannt, der KI-Modus kam an dritter Stelle.
Im negativen Cashflow stecken auch einmalige Posten. Darunter 5,2 Milliarden Dollar für eine alte EU-Strafe von 2018.
Die Suche ist trotzdem gewachsen. 12 Prozent von einer sehr großen Zahl sind viel Geld.
Und laut Google sind die meisten Anfragen im KI-Modus neu, also Suchen, die es vorher so nicht gegeben hätte. Mehr Suchen, später mehr Chancen für Anzeigen.
Unterm Strich
Oft nehme ich die KI-Zusammenfassung oben und scrolle gar nicht weiter. Vielen geht es so.
Jetzt bekommt diese Zusammenfassung Anzeigen. Und die Links darunter rücken ein Stück weiter weg.
Zuerst auf Englisch erschienen: Medium