Im Juni habe ich diese drei Werkzeuge sortiert: Claude Code vorne, Codex dicht dahinter, Antigravity wieder auf meinem Mac, nachdem ich es einmal runtergeworfen hatte.
Das ist nicht lange her. Aber KI bewegt sich schnell. Und sie ist nicht nett zu denen, die langsam nachziehen.
Drei Monate später öffne ich immer noch Claude Code zuerst. Der klare Gewinner ist es aber nicht mehr.
Was sich seit Juni geändert hat
Codex hat am 4. September sein Standardmodell getauscht. Das CLI läuft jetzt auf GPT-6 Astra, wenn ihr nichts anderes einstellt, nachzulesen unter Version 0.153.4 im Änderungsprotokoll.
Und Codex ist enorm gut geworden. Bei vielen Aufgaben. Zu einem guten Preis.
Auf der Claude-Seite gibt es Opus 5, dazu Fable 5.1 in Pro und Max, allerdings nur mit der Hälfte der Wochenlimits. Weiterhin unverschämt teuer. Und die Fähigkeiten sind im Vergleich zu den anderen nicht mehr das, was sie mal waren.
Antigravity ist inzwischen eine ganze Produktfamilie statt einer App: die 2.0-Anwendung, die IDE, ein CLI, ein SDK. Version 2.14 kam am 15. September.
Wenn ihr also einen Vergleich dieser Werkzeuge lest, der im Frühjahr geschrieben wurde, dann beschreibt er Modelle, die heute nirgendwo mehr der Standard sind. Meiner eingeschlossen.
Am Ende ist alles ein CLI
Antigravity hat als Abspaltung von VS Code angefangen. Eine komplette Entwicklungsumgebung mit Gemini darin, gebaut auf der Idee, dass der Agent in den Editor gehört.
Dann kam ein Kommandozeilen-Werkzeug dazu, und genau das hat die beste Neuerung der drei bekommen: Fernsteuerung. Ihr meldet es als Hintergrunddienst an und steuert eine Sitzung auf eurem Mac von einem Browser irgendwo anders aus, samt Push-Nachricht, wenn das Werkzeug etwas von euch will. Das kam am 10. September, laut dem Antigravity-Änderungsprotokoll.
Claude Code war vom ersten Tag an ein Terminal-Werkzeug. Codex auch. Google hat die IDE gebaut und ist dann trotzdem im Terminal gelandet.
Claude Code
Es behält ein großes, unaufgeräumtes Projekt besser im Kopf als die anderen beiden. Noch. Der Abstand ist aber winzig geworden.
Was sich geändert hat, ist, wie oft ich hinter der Arbeit her sein muss. Seit Opus 5 finde ich mehr Fehler als früher. Deutlich mehr. Kleine und größere. Über einen Arbeitstag summiert sich das, und für den Preis kostet es mehr, als es sollte.
Außerdem ist es das einzige der drei, das ihr nicht ausprobieren könnt, ohne zu zahlen.
Codex
Codex im Terminal ist schnell und nah genug an Claude Code, dass es bei mir im Rennen bleibt. Im Juni habe ich es vor allem als Prüfer für die Arbeit von Claude Code benutzt.
Inzwischen nehme ich es immer öfter. Und ich werde in der Agentur einen richtigen bezahlten Codex-Zugang aufsetzen, mit allen Skills, Plugins, Konnektoren und dem ganzen Rest, um es ernsthaft gegen den Claude-Ablauf antreten zu lassen, den wir dort haben.
Ich vermute, danach nutzen wir beides. Für unterschiedliche Aufgaben.
Antigravity
Antigravity hat eine kostenlose Stufe. Null Euro, einfache Wochenlimits, und Modelle von Gemini, Claude und OpenAI im selben Fenster, laut Googles eigener Preisseite. Nicht die neuesten Claude- oder OpenAI-Modelle, aber eben kostenlos.
Gemini ist beim Programmieren nicht gut, in meinen Augen. Immer noch nicht. Bei Bild und Video ist es ziemlich gut. ChatGPT aber auch. Das ist deutlich besser geworden.
Die Modelle sind ohnehin nicht das, was Antigravity verkauft. Es verkauft alles rundherum: den Browser, die Google-Dienste, die Gestaltungsseite, alles in einem Fenster. Deshalb schaue ich immer noch hin, obwohl ich das Ding einmal abgeschrieben hatte.
Aber im Moment ist Google beim KI-Rennen nicht vorne. Und auch nicht nah dran.
Was es kostet
Claude Code: 20 $ im Monat im Pro-Tarif, 17 $ bei Jahreszahlung. Max fängt bei 100 $ an. Für die stärksten Modelle braucht es aber nicht selten den 20-fachen Max-Tarif für 200 $. Claude ist unverschämt teuer.
Codex: im kostenlosen ChatGPT-Tarif enthalten, 8 $ bei Go, 20 $ bei Plus, ab 100 $ bei Pro. Plus bringt euch je nach Größe der Aufgabe zwischen 5 und 45 Astra-Anfragen pro fünf Stunden. Codex hat also die deutlich bessere Preisgestaltung und ist bei den Fähigkeiten nicht mehr hinten.
Antigravity: kostenlos, mit Wochenlimits. Großzügigere Grenzen kommen mit Google AI Pro, hier bei uns 21,99 € im Monat. Es ist nur eben nicht auf Augenhöhe mit den anderen beiden.
Vor drei Monaten hätte ich gesagt: Nehmt Claude Code und hört auf zu lesen. Heute würde ich fragen, was ihr den ganzen Tag macht.
Wenn die Antwort viele Aufgaben umfasst, von Code über Websites und Texte bis zu Bildern und Gestaltung, dann ist ChatGPT inzwischen der klare Sieger. Wenn ihr hauptsächlich programmiert und gestaltet, gewinnt weiterhin Claude, mit dem Modell-Aufbau und Claude Design.
Nachteile, natürlich
Geld. Schon wieder. Claude Code ist das teure Werkzeug, und bei kräftiger Nutzung landet ihr schneller beim 200-Dollar-Tarif, als euch lieb ist.
Codex hat kaum noch echte Nachteile. Es ist das beste Allround-Werkzeug der drei. Und das will etwas heißen. Für mich bleibt einer: Die Texte klingen deutlich mehr nach KI als bei Claude.
Antigravity verliert hier klar. Und Google insgesamt. Da muss schnell etwas nachkommen.
Fairerweise: Alle drei wollen euer Projekt auf ihren Servern haben. Eine Variante, bei der die Arbeit auf eurem Rechner bleibt, gibt es hier nicht. Bei diesen dreien jedenfalls nicht.
Unterm Strich
Im Juni lautete die Antwort auf die Frage nach dem besten KI-Werkzeug: Claude Code, für mich. Heute hängt es davon ab, was ihr den ganzen Tag macht und was ihr für ein Werkzeug zu zahlen bereit seid, das manchmal danebenliegt. Für den Preis zu oft.
Wenn ihr noch nie für einen Coding-Agenten gezahlt habt und nicht sicher seid, ob ihr einen braucht: Antigravity kostet nichts und reicht, um das herauszufinden. Mehr spricht im Moment allerdings nicht für Antigravity.
Und wenn ihr das beste Werkzeug für alles wollt, nehmt ChatGPT. In einem der günstigeren bezahlten Tarife. Das ist richtig gut.