Ein Thread, den ich neulich gelesen habe, beginnt so: „internal linking is the most underrated SEO trick you can pull, and almost nobody does it.“ Interne Links seien also der am meisten unterschätzte SEO-Trick, und fast niemand setze sie. Der Grund: „because it's boring“. Zu langweilig.
Also lässt der Autor Claude das machen. Jede Woche. Prompt inklusive.
Ich mag interne Links. Den Satz habe ich 2022 selbst gebracht, dass nur wenige Website-Betreiber wissen, was ihre Linkstruktur bewirkt.
Aber jede Woche? Also habe ich Claude Code die ersten zwei Schritte dieses Prompts auf meinen eigenen Daten laufen lassen. Drei Monate Search-Console-Zahlen, mein ganzes Archiv. Keine Änderungen, nur die Tabelle.
Dieser Prompt
Die Kurzfassung:
- Search-Console-Daten von drei Monaten exportieren und die eigene Website mit Claude verbinden.
- Für jeden Artikel die Suchanfragen nehmen, bei denen er auf Position 1 bis 10 steht. Das sind seine Anker.
- Jeden Beitrag durchgehen. Wo er die Suchanfrage eines anderen Artikels erwähnt, wird die Stelle zum Link. Maximal 3 bis 5 neue Links pro Beitrag, vorrangig zu Seiten auf Position 4 bis 15.
- Erst eine Tabelle zeigen. Geändert wird nach eurem OK.
- Jede Woche wiederholen.
Erst die Tabelle ist eine gute Regel. Merkt euch die.
Belege
Interne Links helfen. Das stimmt.
seoClarity hat einen Split-Test mit rund 7.500 URLs über vier Wochen gemacht. Die verlinkten Seiten bekamen 1,3 Prozent mehr Klicks, die Kontrollseiten verloren 17,9 Prozent. Das waren Standortseiten, und seoClarity verkauft das Test-Tool. Aber es ist ein kontrollierter Test.
Zyppy hat sich 23 Millionen interne Links auf 1.800 Websites angeschaut. URLs mit 40 bis 44 internen Links bekamen viermal so viele Google-Klicks wie URLs mit 0 bis 4. Ab etwa 45 bis 50 geht der Traffic wieder runter. Der Autor nennt das selbst vor allem eine Korrelationsstudie.
Am nächsten an einem Blog ist ein älterer Test von SearchPilot. Der Content-Hub eines Onlineshops ging von zwei auf vier Links zu verwandten Artikeln pro Seite. Die Seiten, die verlinkten, legten um 16 Prozent zu. Die Seiten, die verlinkt wurden: „no detectable impact“, also keine erkennbare Wirkung.
Und im Prompt geht es nur um die verlinkten Seiten. Fairerweise: Die hatten deutlich weniger Traffic, der Test war also womöglich zu klein, um eine Änderung zu sehen.
Hilfreich also. Aber „most underrated“? Ich wette, jeder SEO-Ratgeber, den ihr kennt, hat ein Kapitel zu internen Links. Meiner auch. Und Backlinks bleiben der große Brocken bei SEO. Das sagt auch der Thread: „still build backlinks“.
Meine Tabelle
Erst Substack. Rund 880 Beiträge. „Ordentliche Impressionen“ habe ich auf 50 in drei Monaten gesetzt, und das Skript fand 320 mögliche Links.
310 davon nutzen dasselbe Wort: „notion“.
Zwei meiner Beiträge ranken dafür. Also werden beide zu Zielen, von jeweils rund 155 Beiträgen aus. In etwa 95 dieser Beiträge steht „Notion template“ oder „Notion-based“, oft in alten Anzeigen von mir: „Get my Notion template, Moviebuff, 50% off today.“
Und sechs meinen nur das englische Wort für Vorstellung. „…reinforces the notion that Medium should be viewed as…“ Claude würde die erkennen. Hoffe ich.
Der stärkere der beiden Beiträge kam in drei Monaten auf 5.322 Impressionen für „notion“, auf Position 7,8. Klicks: null.
Wer „notion“ bei Google eintippt, will zu Notion. Nicht zu meiner Meinung darüber.
317 der 320 Links würden einen Anker nutzen, der keinen Klick bekam, in diesen drei Monaten. Das meiste davon ist natürlich „notion“. Aber von den 109 Ankern, die Schritt eins auf meinem Substack fand, blieben 73 ohne Klick. Auf Medium 377 von 806.
Der Prompt filtert nach Impressionen. Eine Suchanfrage, bei der Google mich zeigt und niemand klickt, zählt also genauso wie eine, die Leser bringt.
Medium sieht besser aus. 85 mögliche Links, mit Ankern wie „medium or substack“, „best blogging platform“, „icloud“. Einige davon würde ich nehmen. Aber 52 der 85 hatten auch null Klicks.
Woche zwei
Der Thread sagt: jede Woche wiederholen.
Kein Beitrag in meinem Archiv hatte mehr als drei Kandidaten. Das Limit von 3 bis 5 greift also nie. Der erste Lauf nimmt alles mit. Der zweite ist eine leere Tabelle.
Mit 10 statt 50 Impressionen hält Medium zwei Läufe durch. Substack weiter nur einen.
Danach haben nur neue Beiträge noch etwas zu verlinken. Einen Artikel nach dem anderen. „Interne Links zwischen alt und neu“ steht beim Veröffentlichen ohnehin auf meiner Checkliste.
Position 4 bis 20
Laut Thread bewegen sich die Seiten auf Position 4 bis 20 am stärksten.
Das habe ich auch geprüft, ganz ohne Prompt. Mai bis Juli gegen August bis Oktober, alle meine Suchanfragen mit mindestens 50 Impressionen in beiden Zeiträumen. Die mittlere Bewegung (Median):
- Position 1 bis 3: 0,85
- Position 4 bis 10: 1,15
- Position 11 bis 20: 4,15
- Position 21 bis 50: 6
Ja, diese Seiten bewegen sich also. Seiten weiter unten bewegen sich stärker. Ohne jeden Wochenlauf.
Und Bewegung heißt nicht Aufstieg. Auf Medium stiegen 57 Prozent meiner Suchanfragen von Seite zwei. Auf Substack fielen 92 Prozent, „blogging platforms“ von 12,6 auf 34,6. (Das sind 44 und 37 Suchanfragen, und 27 der Substack-Anfragen drehen sich ums Bloggen. Da rutscht also vor allem ein Thema ab.)
Hätte ich im Juli auf Medium mit diesem Prompt angefangen, hätte ich jetzt einen tollen Thread.
Genauso bei „ein paar Tage in Ruhe lassen“. Rankings können sich binnen Tagen bewegen. Das habe ich selbst geschrieben, über das Ergänzen interner Links. Eine Kontrollgruppe hatte ich auch nicht.
Dazu kommt ein kleiner Fehler. Schritt eins nimmt als Anker nur Suchanfragen auf Position 1 bis 10. Die Regel will aber Seiten auf 4 bis 15 nach vorne bringen. Und der Schlusssatz des Threads sagt 4 bis 20. „substack seo“, wo der eben verlinkte Beitrag auf 12,1 steht, wird also nie zum Anker. Auf Substack bekommen 9 der 40 Beiträge mit einer Suchanfrage in diesem Bereich gar keinen Anker. Auf Medium 8 von 85.
Ein Haken ist immer dabei
Mein Test ist ein Skript, kein vollständiger Claude-Lauf. Es zählt nur exakte Treffer. Der Prompt erlaubt auch ähnliche Formulierungen, Claude könnte also mehr finden. Und Claude würde wohl viele der „notion“-Zeilen rauswerfen. Dafür ist die Tabelle da.
Es ist außerdem meine Website. Zwei Plattformen, ein langes Archiv, viele alte Digests. Eine kleine Firmenwebsite mit 40 gepflegten Seiten sieht ganz anders aus.
Und ich habe keine dieser Änderungen gemacht. Ich kann also nicht sagen, was diese Links bewirken würden. Nur, wie die Tabelle aussieht.
Meine Fassung
Wenn ich das laufen lasse, dann einmal. Mit diesen Änderungen:
Anbei: mein Search-Console-Export der letzten 3 Monate (Suchanfrage + Seite).
- 1. Sammle für jeden Artikel die Suchanfragen auf Position 1 bis 20 mit mindestens 1 Klick. Das sind seine Anker.
- 2. Finde Beiträge zu einem verwandten Thema, die einen dieser Anker im Text erwähnen. Die Erwähnung allein reicht nicht.
- 3. Regeln: maximal 3 zusätzliche Links pro Beitrag insgesamt, maximal 10 neue Links pro Ziel. Keine Überschriften, Einleitungssätze, bestehenden Links oder Selbstverweise.
- 4. Teile die Ziele zufällig in zwei Hälften. Verlinke nur auf eine. Die andere ist meine Kontrollgruppe.
- 5. Zeig mir zuerst eine Tabelle: Quellbeitrag, Anker, Ziel, Suchanfrage, Position, Klicks. Warte auf mein OK.
- 6. Nach meinem OK: Änderungen machen und ein Änderungsprotokoll liefern, damit ich sie rückgängig machen kann.
Danach würde ich nach vier bis acht Wochen wieder draufschauen. Neue Beiträge bekommen ihre Links beim Veröffentlichen.
Diese Fassung habe ich noch nicht laufen lassen. Also keine Versprechen.
Unterm Strich
Sind interne Links also der am meisten unterschätzte SEO-Trick? Ich glaube nicht. Sie gehören zu den Grundlagen. Zu den nützlichen. Und ja, langweilig. Das hat der Thread richtig erkannt.
Claude kann das machen. Einmal. Ich würde die Tabelle lesen, bevor ich OK sage.
Bei mir stand 310-mal „notion“ drin. Was steht bei euch?
Zuerst auf Englisch erschienen: Medium