Im Juli 2021 hat Google einen kurzen Satz in seine Datenschutzerklärung geschrieben. Sinngemäß: keine personalisierte Werbung auf Grundlage eurer Inhalte aus Drive, Gmail oder Fotos. Punkt.

Fünf Jahre später hat dieser Satz… einen Zusatz bekommen. Einen wichtigen!

Seit dem 16. Oktober steht da (Hervorhebung von mir):

„Wir zeigen Ihnen keine personalisierte Werbung auf Grundlage von Ihren Inhalten aus Google Drive, Gmail oder Google Fotos, es sei denn, Sie stellen Daten aus diesen Diensten für andere Google-Dienste zur Verfügung, die personalisierte Werbung unterstützen.“

Ein ziemliches „es sei denn“.

Die Änderungen

Google bewahrt jede alte Fassung der Datenschutzerklärung in einem Archiv auf. Vergleicht ihr die Oktober-Fassungen, findet ihr drei Änderungen, die die Werbung betreffen.

Die erste ist der Satz oben.

Die zweite ist ein neuer Absatz. Dienste wie die Google Suche oder Gemini dürfen auf Daten aus anderen Google-Diensten zugreifen, „wie Google Fotos oder Workspace-Apps (z. B. Gmail und Drive)“. Direkt danach kommt Googles eigenes Beispiel: „Beispielsweise kann die Google Suche einige der Daten verarbeiten, auf die Sie ihr Zugriff gewähren, um Inhalte zu personalisieren, einschließlich Werbung.“

Die dritte ist kleiner. Bisher ging es bei personalisierter Werbung um eure Interessen und Aktivitäten. Jetzt kommen personalisierte Inhalte aus Google-Diensten dazu.

Von allein passiert davon aber nichts. Die Datenschutzerklärung nennt dafür eine Funktion.

Personal Intelligence

Personal Intelligence soll Googles KI-Antworten auf euch zuschneiden. Google hat die Funktion im Januar in den KI-Modus der Suche gebracht, zuerst für zahlende Abonnenten von AI Pro und AI Ultra in den USA.

Ihr verbindet Gmail, Google Fotos und andere Google-Apps. Dann können Suche oder Gemini das, was darin steht, für ihre Antworten nutzen. Googles Beispiel in der Datenschutzerklärung ist eine Hotelbuchung. Ihr fragt die Suche, was ihr in der Nähe eures Hotels unternehmen könnt, und sie holt sich die Buchungsdetails aus eurer E-Mail.

In der Theorie praktisch.

Und es ist freiwillig. Google nennt die Verbindung von Gmail und Fotos „strictly opt-in“, ihr könnt sie jederzeit wieder trennen. Die Voreinstellung hat sich nicht geändert. Laut Google trainiert der KI-Modus auch nicht direkt mit eurem Gmail-Postfach oder eurer Fotos-Mediathek.

Google liest also nicht jede Mail mit, um euch Schuhe zu verkaufen. Zumindest nicht standardmäßig.

Im Moment wird Personal Intelligence als Beta ausgerollt, laut Google „to eligible users globally“. Für private Google-Konten ab 18. Nicht für Workspace-Konten in Firmen oder Bildungseinrichtungen.

Nicht in Europa

Das „global“ hat Ausnahmen: den Europäischen Wirtschaftsraum, die Schweiz, Großbritannien und Nigeria.

Ich sitze in Deutschland. Für mich ändert sich also gerade nichts. Einen Grund für die Ausnahme nennt Google auf der Seite nicht.

Der neue Satz steht trotzdem schon in der deutschen Fassung der Datenschutzerklärung.

Und ich bin ohnehin vor Jahren von Gmail zu Apple Mail gewechselt.

Für Gmail-Nutzer in den USA sieht das anders aus. Viele von ihnen haben Personal Intelligence vielleicht schon eingeschaltet.

Ein Haken ist immer dabei

Euer Ja gilt besseren Antworten. Ihr verbindet Gmail, damit die Suche eure Hotelbuchung findet.

Die Werbung kommt mit demselben Ja. Eine eigene Frage nur für die Werbung gibt es, soweit ich weiß, nicht. Erlaubt ihr der Suche, eure Mails zu lesen, „kann“ sie die Daten auch für Werbung verarbeiten.

Und der Satz von 2021 war ein Versprechen. Ein kurzes, klares. Geändert hat es sich mit einem neuen Datum oben auf einer langen Seite, die die meisten von uns nie lesen.

Versteckt hat Google das nicht. Im Archiv steht jede Fassung. Aber vermutlich schauen da nur wenige mit Gmail-Konto je rein.

Optionen

Wenn ihr euer Postfach aus eurer Werbung heraushalten wollt, gibt es zwei Schalter.

Erstens: die Apps gar nicht erst verbinden. In der Suche steht das unter eurem Profil bei „Search personalization“ und „Connected Content Apps“. In Gemini in den Personalisierungs-Einstellungen.

Zweitens: personalisierte Werbung ganz ausschalten, in Mein Anzeigen-Center. Dann richtet sich Googles Werbung nach Dingen wie der Website, auf der ihr gerade seid, oder eurem Standort. Nicht nach euch. Das gilt auch für die Partnerseiten von Google. Für andere Werbenetzwerke nicht.

Oder ihr geht. Apple Mail mit Hide My Email, Proton oder kSuite von Infomaniak*, wenn eure Mails in Europa liegen sollen. Proton und kSuite stecken auch in meinem Vergleich mit Microsoft 365 und Google Workspace.

Unterm Strich

Für mich ändert sich gerade nichts. Nicht in Deutschland und nicht mit Apple Mail.

Aber der Satz von 2021 hatte nach „Fotos“ einen Punkt.

Jetzt hat er ein Komma. Und ein „es sei denn“.

Zuerst auf Englisch erschienen: Medium

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