Google, Amazon, Microsoft und Meta wollen dieses Jahr 725 Milliarden Dollar ausgeben. Vor allem für Rechenzentren für KI. Milliarden, mit M. Ich meine, sie haben es, aber trotzdem...

Apple ist in diesem Club nicht dabei. Nicht wirklich. Apple zahlt Google jetzt rund eine Milliarde im Jahr, um ein Gemini-Modell für Siri zu mieten. Das ist aber eine andere Perspektive. Eine andere Idee. Ein Plan.

Manche sagen immer noch, Apple habe bei KI aufgegeben. Apple sei abgeschlagen Letzter.

Glaube ich nicht.

Siri ist das Problem

Die Geschichte kennt ihr. Auf der WWDC 2024 hat Apple eine neue Siri versprochen. Eine, die sieht, was auf eurem Bildschirm ist, eure Nachrichten und euren Kalender kennt und in Apps Dinge für euch erledigt. Apple hat das iPhone 16 damit verkauft. Auch in der Werbung.

Im März 2025 hat Apple diese Funktionen dann verschoben und die Werbung zurückgezogen.

Dieses Jahr kam die Rechnung. Apple hat in den USA einem Vergleich über 250 Millionen Dollar wegen der Siri-Versprechen zugestimmt.

Im Januar haben Apple und Google es offiziell gemacht: Die nächsten Apple-Modelle bauen auf Gemini auf. Apple hat sich auch OpenAI und Anthropic angeschaut und sich für Google entschieden.

Übrigens hat Apple so etwas schon einmal gemacht. 1996 bekam Apple kein modernes Betriebssystem hin und kaufte deshalb NeXT, die neue Firma von Steve Jobs, nachdem er bei Apple rausgeflogen war. Die NeXT-Software ist bis heute die Grundlage für alles, was auf Mac und iPhone läuft.

Zugriff

Am 14. September kam Siri AI mit iOS 27. Neuer Name, eine eigene App und die Funktionen von 2024. Siri AI liest euren Bildschirm, durchsucht Nachrichten, Mails und Fotos und erledigt Aktionen in euren Apps.

Ist das schlauer als ChatGPT, Claude oder Gemini selbst? Nein, auf keinen Fall. Die schreiben besser, denken besser, programmieren besser. Aber sie wissen nichts über euch. Nicht, ohne dass ihr ihnen alles gebt.

Und genau das vergessen viele bei „künstlicher Intelligenz“: Der Zugriff ist der Schlüssel.

Damit ChatGPT auf eurem iPhone das kann, was Siri AI ab jetzt kann, müsstet ihr OpenAI dauerhaft Zugriff auf eure Nachrichten, eure Mails, eure Fotos, euren Kalender und euren Bildschirm geben. Da steckt viel Vertrauen drin. Und den KI-Firmen vertrauen die Leute nicht besonders. Apple schon, im Großen und Ganzen. Deutlich mehr als anderen Tech-Riesen.

An diesem Ruf arbeitet Apple seit Jahren. 2016 hat Apple sich einer Gerichtsanordnung widersetzt, dem FBI in einem Terrorfall ein Werkzeug zum Entsperren eines iPhones zu bauen.

Der Aufbau unter Siri AI passt dazu. Apples eigene, kleinere Modelle laufen auf dem Gerät. Die schwereren Anfragen gehen an Apples Private Cloud Compute, wo die Gemini-basierten Modelle laufen. Immer noch privater als Gemini, ChatGPT oder Claude.

Laut Apple werden persönliche Daten dort weder gespeichert noch Apple oder sonst jemandem zugänglich gemacht. Auch Google nicht, soweit ich das verstehe.

Apple hat sich das Gehirn also vielleicht gemietet. Aber das Telefon, die Daten und das Vertrauen bleiben bei Apple. Und das wird bald sehr wichtig.

Denn die KI-Modelle werden bald bei allen Firmen ähnlich gut sein. Dann haben sie keinen Vorsprung mehr. Apple schon. Hardware. Seeehr viel davon.

2,5 Milliarden Geräte

Alle anderen müssen den Computer bauen, auf dem die KI läuft. Das sind die 725 Milliarden. Rechenzentren, Chips, Strom.

Apple hat das schon. In eurer Hosentasche. Apple hat mehr als 2,5 Milliarden aktive Geräte da draußen, jedes mit einem Apple-Chip. Und bezahlt haben die die Kunden.

Jede Antwort eines Cloud-Chatbots kostet die Chatbot-Firma Geld. Rechenleistung, Strom, immer wieder. Eine Antwort auf dem Gerät kostet Apple fast nichts, wenn das iPhone erst mal verkauft ist.

Zumindest bei den einfacheren Sachen. Die großen Anfragen gehen weiter in die Cloud, und für diese Siri-AI-Funktionen gibt es Tageslimits. Apple zahlt also auch für Rechenleistung. Nur deutlich weniger, schätze ich. Und irgendwann hat Apple eigene Rechenleistung ohne Gemini, plus die Hardware und das Vertrauen. Diese Dreierkombination hat sonst niemand.

Dass Apple beim Rechnen auf dem eigenen Gerät ohnehin anders unterwegs ist als der Rest, habe ich im Juli schon beschrieben: Apple gewinnt ein anderes KI-Rennen.

Will OpenAI um all das herum, braucht es ein eigenes Gerät. Daran arbeiten sie, mit Jony Ive. Aber das kommt in eine Welt, in der iPhone, Mac, iPad, Watch und AirPods längst miteinander reden. Dafür hat Apple fast zwanzig Jahre gebraucht.

Viel Glück mit einem einzelnen Gadget.

Und die Hardware wird bei Apple noch wichtiger

Womit wir bei John Ternus wären. Seit dem 1. September CEO von Apple. Tim Cook ist in den Verwaltungsratsvorsitz gewechselt.

Ternus hat die iPhone-Hardware geleitet, dann die gesamte Hardware-Entwicklung. Im März hat er das MacBook Neo für 599 Dollar vorgestellt, den ersten Mac mit einem iPhone-Chip (dem A18 Pro).

Am selben Tag im April, an dem Apple ihn zum CEO ernannt hat, wurde Johny Srouji der erste Chief Hardware Officer. Der Mann hinter Apples eigenen Chips seit 2008.

Die Hardware führt die Firma jetzt also. Chips, Geräte, alles. Das Modell ist das eine Teil, das Apple mietet.

Noch.

Nachteile?

Der große: Apple hängt jetzt eine Weile von Google ab. Beim persönlichsten Teil des iPhones. Wenn die Modelle nicht mehr austauschbar sind und eine Firma dauerhaft vorne liegt, sitzt Apple am Tisch eines Konkurrenten.

Aber Apple hat sich schon früher auf die Konkurrenz verlassen. Und am Ende ist das gut ausgegangen.

Siri AI ist eine Beta. Ihr müsst euch aktiv anmelden, landet vielleicht auf einer Warteliste, und bisher gibt es sie nur auf Englisch. Weitere Sprachen kommen im Oktober.

Und in die EU kommt Siri AI zum Start nicht. Ich sitze in Deutschland.

Außerdem muss Apple erst noch zeigen, dass Siri AI besser funktioniert als Siri je zuvor.

Unterm Strich

Apple braucht nicht das schlauste Modell. Apple braucht das, das die Leute auf ihr Telefon lassen. Das ist ein ziemlich anderes Rennen. Und da ist Apple nicht abgeschlagen Letzter. Oh nein.

Also, wem würdet ihr eher Zugriff auf eure Nachrichten, Mails und Fotos geben? Apple oder OpenAI?

Zuerst auf Englisch erschienen: Medium