Du hast eine Über-mich-Seite und das Gefühl, sie liest sich okay, aber nichts passiert. Kenne ich von vielen Kunden. Wenn ich mir die Analytics anschaue, ist diese Seite nach der Startseite fast immer die meistbesuchte, manchmal sogar vor der Leistungsseite. Das heißt: Der potenzielle Kunde ist interessiert genug, mehr wissen zu wollen. Und dann liest er einen Lebenslauf, der ihm nicht hilft. Ich zeige dir, was rein muss und was raus kann. Stand Mai 2026.
Was die meisten Über-mich-Seiten falsch machen
Die typische Über-mich-Seite erzählt vom Geburtsjahr, vom Studium, von der ersten Festanstellung, davon, wie die Selbständigkeit entstanden ist. Das liest sich wie ein Lebenslauf mit etwas mehr Emotion. Für den Leser ist das oft uninteressant.
Der Besucher stellt eine einzige Frage: Kann diese Person mein Problem lösen? Der Rest ist Beiwerk. Ein Lebenslauf beantwortet diese Frage nicht direkt. Er verlangt vom Leser, die Relevanz selbst herzustellen.
Die zweite typische Falle: generische Marketingsprache. "Ich verbinde Kreativität mit Strategie und helfe Unternehmen, ihr volles Potenzial zu entfalten." Das sagt nichts. Das sagen alle. Wer das liest, ist nach zwei Sekunden weg.
Was der Besucher eigentlich wissen will
Ich habe mir in den letzten Jahren angewöhnt, Über-mich-Seiten nicht als Selbstporträt zu denken, sondern als Antwort auf konkrete Fragen im Kopf des Lesers. Die Liste ist kurz.
- Hat diese Person Ahnung von meinem Problem?
- Passt sie zu mir? Arbeite ich gern mit ihr zusammen?
- Macht sie wirklich, was sie verspricht, oder verkauft sie nur?
- Warum sie und nicht jemand anderes?
- Was ist mit ihr besonders, dass ich mich an sie erinnere?
Wer diese Fragen beantwortet, hat eine gute Über-mich-Seite. Wer von der eigenen Kindheit anfängt, hat eine, die übersprungen wird.
Der erste Satz entscheidet
Die ersten zwei Zeilen sind fast alles. Wenn der Leser hier nicht hängenbleibt, scrollt er nicht. Vergiss "Willkommen auf meiner Website, schön, dass du hier bist". Das ist Platzverschwendung.
Besser: Direkt mit dem, was du tust, für wen, und warum das relevant ist. "Ich baue Websites für Selbständige und kleine Unternehmen in Schleswig-Holstein. Schlank, sauber, ohne Tracking." So weiß der Leser nach einer Sekunde, ob er richtig ist.
Die Über-mich-Seite ist kein Spiegel. Sie ist ein Fenster. Der Leser schaut nicht auf dich, er schaut durch dich hindurch auf sein eigenes Problem und fragt sich, ob du ihm dabei helfen kannst.
Was reingehört
Eine funktionierende Über-mich-Seite hat meistens diese Elemente, in ungefähr dieser Reihenfolge.
Ein Satz, der dich positioniert. Was du machst, für wen, und was dich unterscheidet. Kein Elevator Pitch mit Superlativen, sondern eine konkrete, ehrliche Aussage.
Ein gutes Foto. Kein Bewerbungsfoto mit weißem Hintergrund. Ein Bild, das etwas über dich erzählt. Du an deinem Arbeitsplatz, in deinem Umfeld, mit deinem Werkzeug. Nicht perfekt, aber authentisch.
Deine Geschichte, aber nur die relevanten Teile. Nicht chronologisch von der Grundschule. Sondern: Wie bist du dahin gekommen, was du heute machst, und warum machst du es so wie du es machst. Das Studium gehört rein, wenn es zu deinem Angebot passt. Die 10 Jahre bei Google gehören rein, wenn sie Vertrauen schaffen. Der Ferienjob in der Pizzeria wahrscheinlich nicht.
Deine Haltung. Was ist dir wichtig? Was machst du anders als andere? Wer liest, dass ich bei all meinen Kundenprojekten ohne Tracking und Cookie-Banner arbeite, weiß sofort, wo ich stehe. Haltung ist ein Sortierkriterium: Die Falschen gehen, die Richtigen bleiben. Beides ist gut.
Belege. Kunden, Zahlen, Projekte, Referenzen. Nicht protzen, aber zeigen, dass es nicht nur Worte sind. Logos bekannter Kunden, eine Handvoll Testimonials, Links zu Arbeiten.
Ein Call-to-Action. Nicht "folge mir auf Instagram", sondern: Was ist der nächste Schritt, wenn ich zusammenarbeiten will? Die Über-mich-Seite ist eine Brücke zur Anfrage, nicht eine Sackgasse.
Was raus kann
Das meiste an typischen Über-mich-Seiten ist verzichtbar.
- Der vollständige Lebenslauf mit Jahreszahlen.
- Generische Statements wie "Leidenschaft für Qualität".
- Persönliche Hobbys, die nichts mit der Arbeit zu tun haben. Dass du gern kochst, ist charmant, hilft aber selten bei der Kaufentscheidung.
- Die Liste aller Fortbildungen seit 2012.
- Alles, was du in der dritten Person schreibst. "Burkhard Rosemann ist ein erfahrener Webdesigner." Klingt, als hätte es jemand anders geschrieben. Hat es meistens nicht.
Ich-Form oder Wir-Form
Als Solo-Selbständiger: Ich-Form. Immer. Das Wir ist ein Reflex aus der Agenturwelt, der Größe suggerieren soll. Auf einer Ein-Personen-Website wirkt es unehrlich. Wenn du allein arbeitest, sag es. Das ist ein Verkaufsargument, kein Problem. Viele Kunden suchen ausdrücklich Solo-Dienstleister, weil sie den direkten Draht wollen.
Wenn du ein kleines Team hast, dann Wir-Form, aber bleib präzise. Nicht "das Team bei XY", sondern konkret: "Julia, Kim und ich". Das ist transparent und baut Vertrauen auf.
Das Foto ist kein Detail
Das Foto auf der Über-mich-Seite wird länger betrachtet als der Text um es herum. Auge-Tracking-Studien zeigen das seit Jahren. Trotzdem nutzen viele ein schlechtes Handy-Selfie oder ein Bewerbungsfoto von 2015.
Ein professionelles Foto muss nicht teuer sein. 200 bis 400 Euro bei einem Fotografen, einmal investiert, hält Jahre. Wichtig ist nicht Perfektion, sondern Stimmigkeit: Das Foto soll zeigen, wen der Kunde beauftragt und zu dem, was du sonst auf deiner Website machst, passen. Ein dunkles, strenges Porträt auf einer verspielten Kinderbuch-Website irritiert. Ein Handy-Snapshot auf einer Anwaltskanzlei-Website auch.
Länge
Keine Regel, aber eine Tendenz: Solo-Selbständige mit Dienstleistung brauchen meist 300 bis 600 Wörter. Das ist genug, um Vertrauen aufzubauen, und kurz genug, damit es gelesen wird. Mehr wird selten gelesen, weniger wirkt oft unvollständig.
Wer eine längere Geschichte hat, kann das Prinzip "Cliffhanger" nutzen: Die Kernpunkte auf der Über-mich-Seite, und einen Link zu einem Blog-Artikel für die ausführliche Version. So bleibt die Seite scanbar, die Geschichte aber erreichbar.
Was meine eigene Seite macht
Auf meiner Startseite habe ich einen About-Block, keine eigene Über-mich-Seite. Computerlinguistik in Konstanz, zehn Jahre Google, selbständig seit 2023. Drei Sätze zur Einordnung, ein Foto, ein paar Zahlen. Das reicht für meinen Use Case, weil meine Besucher mich ohnehin über Empfehlungen oder Google finden, wo sie schon ein konkretes Anliegen haben.
Wer aber erklärungsbedürftige Leistungen verkauft, Coaching, Therapie, Beratung, braucht eine eigene Über-mich-Seite. Dort entscheidet das Gefühl, nicht die Leistung. Und Gefühl entsteht durch die Person, nicht durch die Leistungsbeschreibung.
Was du jetzt tun kannst
Öffne deine eigene Über-mich-Seite. Lies den ersten Absatz. Wenn du nach zwei Sätzen weißt, was die Person macht, für wen und was sie auszeichnet, ist die Seite gut. Wenn du nach zwei Sätzen nur weißt, dass sie 1985 geboren ist und schon immer gerne kreativ war, ist die Seite nicht gut.
Dann die harte Frage: Würdest du dich selbst anrufen? Wenn nicht, schreib um.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich überhaupt eine eigene Über-mich-Seite?
Nicht zwingend. Für viele Selbständige reicht ein prominenter About-Block auf der Startseite. Eigene Seite lohnt sich, wenn deine Dienstleistung stark vom Vertrauen abhängt, etwa bei Coaching, Therapie oder Beratung.
Wie persönlich darf oder muss die Über-mich-Seite sein?
So persönlich, wie es zu deinem Angebot passt. Eine Kinderbuch-Illustratorin kann mehr Persönliches zeigen als eine Steuerberaterin. Wichtig ist, dass Ton und Inhalt zum Rest der Website passen.
Soll ich meine Preise auf der Über-mich-Seite nennen?
Nein. Preise gehören auf eine eigene Leistungs- oder Preisseite. Die Über-mich-Seite dient dem Vertrauensaufbau, nicht der Preisdiskussion.
Braucht die Über-mich-Seite ein Testimonial?
Sinnvoll, aber nicht zwingend. Ein passendes Kundenzitat kann die eigene Selbstbeschreibung enorm verstärken. Wichtig ist, dass es echt und nachprüfbar wirkt, mit vollem Namen und Funktion.
Wie oft sollte ich die Über-mich-Seite aktualisieren?
Mindestens einmal im Jahr. Zahlen veralten, Projekte kommen dazu, Positionierung verändert sich. Eine Über-mich-Seite, die drei Jahre alt ist, wirkt oft wie aus einer anderen Zeit.