"Mit Wix bin ich in einer Stunde online." Das ist die Verheißung. Und sie stimmt sogar. Aber die Stunde ist nicht das Problem. Das Problem kommt im dritten Jahr, wenn der Tarif teurer wird, das Design nicht mehr passt und ein Umzug an die nächste Plattform fast unmöglich ist.

Was ein Baukasten gut macht

Schnell anfangen, ohne technisches Wissen. Drag-and-Drop, ein Template auswählen, Texte rein, Bild hochladen, fertig. Für eine private Seite, einen Verein oder einen ersten Test einer Geschäftsidee ist das eine vernünftige Lösung.

Auch der Einstiegspreis sieht harmlos aus. Wix startet bei rund 13 Euro im Monat, Squarespace bei etwa 16 Euro, Jimdo ähnlich. Das klingt nach weniger als ein Mittagessen.

Was die monatliche Gebühr verschweigt

Der beworbene Preis ist fast nie der Preis, den du am Ende zahlst. Drei Beobachtungen aus Kundenprojekten:

Über fünf Jahre gerechnet landest du bei einem typischen Business-Tarif schnell zwischen 1.500 und 2.400 Euro. Ohne dass du die Plattform am Ende besitzt.

Der Lock-in, über den niemand spricht

Das Geld ist die eine Sache. Die andere ist, was passiert, wenn du wechseln willst.

Bei Wix kannst du deine Inhalte nicht exportieren. Keine Seiten, keine Struktur. Nur Blogposts lassen sich als XML ziehen, der Rest bleibt drin. Squarespace exportiert mehr, aber das Design und viele Spezialblöcke gehen verloren. Jimdo bietet einen rudimentären Export, der für eine echte Migration nicht reicht.

Konkret heißt das: Wenn du auf eine andere Lösung wechseln willst, baust du die Seite von Hand neu auf. Texte kopieren, Bilder herunterladen, Struktur rekonstruieren. Das ist Arbeit, die ich bei mehreren Kunden gesehen habe.

DSGVO und US-Hosting

Wix und Squarespace sind US-Unternehmen. Ihre Server stehen teils in den USA, teils mit Subdienstleistern verteilt. Das ist seit dem Schrems-II-Urteil ein dauerndes Thema, und auch das Trans-Atlantic Data Privacy Framework hat es nicht endgültig gelöst.

Praktisch bedeutet das: Du musst eine ordentliche Datenschutzerklärung schreiben, die alle Drittdienste benennt, einen Auftragsverarbeitungsvertrag abschließen und im Zweifel argumentieren können, warum dieser Anbieter nötig ist. Bei Jimdo ist die Lage etwas entspannter, weil das Unternehmen aus Hamburg kommt und vieles in Europa hostet.

Mehr zum Thema im Artikel über DSGVO für Selbständige.

Performance und SEO

Baukästen erzeugen viel HTML, viel JavaScript, viele externe Anfragen. Das wirkt sich auf die Ladezeit aus, und die Ladezeit wirkt sich auf das Google-Ranking aus. Ich habe Wix-Seiten gemessen, die mobil über fünf Sekunden brauchten, bevor der erste Inhalt erschien.

Das heißt nicht, dass eine Baukasten-Seite nicht ranken kann. Aber sie startet mit einem Nachteil. Mehr dazu im Artikel über Ladezeit und SEO.

Der Vergleich über fünf Jahre

Eine grobe Rechnung. Business-Tarif bei einem Anbieter wie Wix oder Squarespace, mit Shop oder Buchungsfunktion, einer kostenpflichtigen App und Domain ab Jahr zwei.

Eine individuelle Website kostet bei mir ab 799 Euro einmalig, plus Hosting und Domain bei einem deutschen Anbieter für etwa 60 bis 120 Euro pro Jahr. Über fünf Jahre macht das rund 1.100 bis 1.400 Euro. Ohne Plattform-Lock-in, mit eigenem Code, eigenen Daten und ohne Tarif-Updates.

Ein Baukasten ist ein Mietverhältnis. Eine eigene Website ist ein Grundstück. Beides hat seinen Platz, aber wer dauerhaft bauen will, kauft.

Wann ein Baukasten trotzdem die richtige Wahl ist

Ich rate niemandem grundsätzlich ab. Es gibt Situationen, in denen ein Baukasten Sinn macht.

Wer aber langfristig plant, gewerblich auftritt und Kunden gewinnen will, fährt mit einer eigenen Lösung meistens besser. Sauberer, schneller, ohne monatliche Abhängigkeit.

Mein Standpunkt als Webdesigner aus Neumünster

Ich habe mehrere Kunden begleitet, die von Wix oder Jimdo weg wollten. In jedem Fall war der Umzug aufwendiger als erwartet. Texte mussten neu strukturiert, Bilder neu zugeschnitten, Strukturen rekonstruiert werden. Das ist machbar, aber es kostet Zeit, die niemand mehr zurückbekommt.

Wer am Anfang steht, sollte sich überlegen, ob der schnelle Start die langfristigen Kosten wert ist. Bei einem Hobby ja. Bei einer Geschäftsgrundlage meistens nicht.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich meine Wix-Seite zu WordPress umziehen?

Nicht automatisiert. Wix erlaubt keinen vollständigen Export. Du musst Inhalte manuell kopieren und die Seite neu aufbauen. Das gilt im Wesentlichen auch für Squarespace und Jimdo, mit kleineren Unterschieden.

Sind Baukästen DSGVO-konform?

Mit Aufwand ja. Du brauchst eine ausführliche Datenschutzerklärung, einen Auftragsverarbeitungsvertrag und musst die Drittdienste sauber dokumentieren. Bei US-Anbietern bleibt ein Restrisiko, das du selbst tragen musst.

Was ist mit meiner Domain, wenn ich kündige?

Die Domain kannst du in der Regel zu einem anderen Anbieter umziehen. Die Inhalte deiner Seite verlierst du, wenn der Tarif endet. Ich rate dazu, die Domain immer separat bei einem deutschen Registrar zu halten.

Lohnt sich Squarespace für Fotografen oder Kreative?

Squarespace hat schöne Templates und gute Bildqualität. Für eine Portfolio-Seite ohne große Ansprüche an SEO und Geschwindigkeit kann das passen. Wer ranken will und die Seite als Akquise-Werkzeug nutzt, sollte sich Alternativen ansehen.

Was kostet eine individuelle Website langfristig wirklich?

Einmalige Erstellung plus Hosting und Domain. Bei mir startet eine Business-Website bei 799 Euro, Hosting kommt mit etwa 5 bis 10 Euro im Monat dazu. Mehr dazu unter Was kostet eine Website.