"Ich will einen Blog starten, aber WordPress macht mir Angst." Den Satz habe ich oft gehört. Und ich verstehe ihn. Plugins, Updates, Sicherheitslücken, ein Backend, das größer ist als der eigentliche Text. Das schreckt ab, bevor man den ersten Satz geschrieben hat. Die gute Nachricht: 2026 brauchst du das alles nicht mehr. Es gibt schlankere Wege, und die meisten passen besser zu dem, was du eigentlich willst — schreiben.

Was ein Blog wirklich braucht

Bevor du ein Tool aussuchst, lohnt sich ein kurzer Blick darauf, was ein Blog im Kern leistet. Das ist überraschend wenig: Eine Übersichtsseite mit deinen Beiträgen, eine Seite pro Beitrag, ein RSS-Feed, idealerweise eine Möglichkeit für Leser sich zu abonnieren. Mehr nicht.

Alles andere, was Content-Management-Systeme mitbringen, ist Komfort oder Ballast. Mediathek mit Bildbearbeitung. Plugin-Marktplätze. Rollen- und Rechtesysteme. Versionierung. Newsletter-Module. Schön zu haben, oft nicht gebraucht.

Womit die meisten anfangen — und warum es trotzdem stockt

WordPress ist das Standard-Werkzeug. Etwa 40 Prozent aller Websites laufen darauf, und das aus guten Gründen. Es ist mächtig, flexibel, gut dokumentiert. Wer einmal drin ist, kann fast alles bauen.

Der Haken liegt nicht im Tool selbst. Er liegt in dem, was um das Tool herum nötig wird. Hosting muss laufen, Datenbank muss laufen, Updates müssen eingespielt werden, ein gutes Theme kostet meistens, ein paar Plugins kommen dazu, dann wird die Seite langsam, dann braucht es ein Caching-Plugin, dann eines für SEO. Und plötzlich verbringst du mehr Zeit im Backend als in deinem Text.

Das ist kein Vorwurf an WordPress. Es ist ein Hinweis darauf, dass das System für viele Selbständige überdimensioniert ist.

Drei schlankere Wege, die 2026 funktionieren

Es gibt drei Richtungen, die ich Kunden empfehle, je nachdem wie technisch sie sind und was sie wollen.

1. Eine eigene Website mit Blog-Bereich

Eine schlanke, individuell gebaute Website mit einem einfachen Blog-Bereich. Keine Datenbank, keine Plugins. Jeder Artikel ist eine eigene Datei, die per FTP hochgeladen wird. Klingt altmodisch, ist aber in der Praxis das Schnellste, Sicherste und Günstigste.

Diese Seite hier ist genauso aufgebaut. Vanilla PHP, keine Datenbank, keine Plugins. Der Blog läuft seit Monaten ohne Wartung. Updates gibt es nicht, weil es nichts gibt, was kaputtgehen könnte.

Geeignet für: Selbständige, die langfristig planen und unabhängig bleiben wollen. Setup-Kosten einmalig, danach nur Hosting und Domain.

2. Substack oder ein Newsletter-Tool mit Webarchiv

Substack ist im Kern ein Newsletter-Tool, bietet aber jedem Beitrag eine eigene Webseite. Das Archiv funktioniert wie ein Blog, ist über Suchmaschinen findbar und kostet in der Grundvariante nichts.

Ich nutze Substack selbst auf letters.byburk.net für mein englisches Schreiben. Der Vorteil: Du musst nur schreiben. Layout, Hosting, RSS, Abos — alles erledigt. Der Nachteil: Du baust auf einer Plattform, die du nicht kontrollierst, und das Design ist eingeschränkt.

Geeignet für: Wer vor allem Leser per E-Mail erreichen will und keine Zeit für eigene Infrastruktur hat. Mehr dazu im Artikel über Newsletter für Selbständige.

3. Static Site Generators für die technisch Mutigen

Tools wie Astro, Eleventy oder Hugo erzeugen aus einfachen Markdown-Dateien fertige HTML-Seiten. Die landen auf einem Server und werden ausgeliefert. Keine Datenbank, kein PHP, kein Backend.

Das ist schnell, sicher, günstig. Aber es setzt voraus, dass du dich mit Kommandozeile und Git anfreunden kannst. Wer das mag, hat hier die schlankste Lösung überhaupt.

Geeignet für: Entwickler, technische Schreiberinnen, alle die sich gern mit dem Werkzeug beschäftigen.

Eigene Domain, eigene Inhalte

Egal welchen Weg du wählst: Sichere dir früh eine eigene Domain. Bei einem deutschen Registrar wie united-domains, Netcup oder All-Inkl sind das 10 bis 25 Euro im Jahr.

Auch wenn du auf Substack startest, kannst du dort eine eigene Domain hinterlegen. Das ist wichtiger als es klingt: Wenn du irgendwann wechseln willst, ziehen deine Leser mit. Ohne eigene Domain bleibst du an die Plattform gebunden.

Mehr zu dem Thema im Artikel über Domain und Hosting.

Was den Anfang leichter macht

Drei Dinge, die ich aus eigener Erfahrung weitergebe.

Wann WordPress trotzdem die richtige Wahl ist

Es gibt Situationen, in denen WordPress sich lohnt. Wenn du mehrere Autorinnen und Autoren hast, die selbst veröffentlichen sollen. Wenn du einen Online-Shop direkt anschließen willst. Wenn du sehr viele Inhalte hast und Suchen, Filter und Kategorien intensiv nutzt.

Für eine klassische Solo-Selbständige mit Blog ist es meistens zu viel. Für eine Redaktion oder ein wachsendes Inhalts-Geschäft kann es genau richtig sein.

Ein Blog ist ein Schreibtisch, kein Maschinenraum. Wer ein gutes Werkzeug sucht, sollte nicht das größte nehmen, sondern das, das ihn am wenigsten ablenkt.

Mein Setup auf dieser Seite

Damit es nicht abstrakt bleibt, hier konkret was ich selbst nutze. burkhardrosemann.de läuft auf vanilla PHP, gehostet bei All-Inkl in Deutschland. Kein WordPress, kein Headless-CMS, keine Datenbank. Jeder Blog-Artikel ist eine PHP-Datei, die per FTP hochgeladen wird.

Die Seite lädt in unter einer Sekunde, hat keine Plugins die kaputtgehen können, und ich verbringe meine Zeit mit Schreiben statt mit Wartung. Das ist kein Anti-WordPress-Setup, das ist ein Pro-Schreiben-Setup.

Wenn du etwas Ähnliches willst, geht das. Auch ohne dass du selbst PHP lernst.

So gehst du als nicht-technische Person vor

Ein praktischer Plan in fünf Schritten:

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich für einen Blog wirklich kein WordPress?

Nein. WordPress ist eine Möglichkeit, nicht die einzige. Für einen Solo-Blog mit ein paar Artikeln pro Monat reicht eine schlanke individuelle Lösung oder eine Plattform wie Substack vollkommen.

Was ist günstiger über fünf Jahre?

Eine individuell gebaute schlanke Lösung kostet einmalig in der Erstellung, danach nur Hosting und Domain. Das sind über fünf Jahre meistens 1.000 bis 1.500 Euro. WordPress mit Premium-Theme, Plugins und Wartung liegt schnell höher, weil regelmäßig gepflegt werden muss.

Kann ich später von Substack auf eine eigene Seite umziehen?

Ja. Substack erlaubt einen vollständigen Export aller Artikel. Wenn du eine eigene Domain hinterlegt hast, ziehen deine Leser mit. Das ist einer der Gründe, warum die eigene Domain von Anfang an wichtig ist.

Was passiert mit der Sicherheit, wenn ich kein CMS nutze?

Eine Seite ohne Datenbank und ohne Plugins hat deutlich weniger Angriffsfläche. Es gibt keine Login-Maske, die durchprobiert werden kann, keine Plugins mit Lücken. Backups bleiben trotzdem wichtig, sind aber einfacher.

Wie sichtbar wird mein Blog bei Google?

Sichtbarkeit hängt am Inhalt, nicht am System. Ein gut geschriebener Artikel auf einer schlanken Seite rankt mindestens so gut wie derselbe Artikel auf WordPress. Mehr dazu im Artikel über lokales SEO.